Kunstmessen in Frankreich:Der geheimnisvolle Dritte

Lesezeit: 2 min

Kunstmessen in Frankreich: Das Grand Palais beherbergte bislang die Fiac, ebenso wie die Paris Photo. Das wird sich wohl noch in diesem Jahr ändern.

Das Grand Palais beherbergte bislang die Fiac, ebenso wie die Paris Photo. Das wird sich wohl noch in diesem Jahr ändern.

(Foto: Mathieu Menard/Imago Images/Hans Lucas)

Zwei der wichtigsten französischen Kunstmessen müssen ihr angestammtes Gebäude verlassen - ein bislang noch unbekannter Veranstalter soll an ihre Stelle treten.

Von Ingo Arend

Seit Beginn der Pandemie gleicht das Tableau der internationalen Kunstmessen einem Dominospiel. Zwingt der nächste Lockdown eine Messe zur Absage, kippt die ganze Termin-Phalanx eines Jahres. Manchmal fallen Kunstmessen aber auch Machtspielen zum Opfer. Das zeigt jetzt das Beispiel der Fiac und der Paris Photo, zwei der wichtigsten französischen Kunstmessen. Wie dieser Tage bekannt wurde, plant das Grand Palais, in dessen Hallen die beiden privaten Messen seit vielen Jahren stattfinden, diese sehr kurzfristig bereits für dieses Jahr neu zu vergeben.

Auf Anfrage der SZ bestätigte Chris Dercon, seit 2018 Direktor des Kunst- und Ausstellungskomplexes Réunion des musées nationaux et du Grand Palais (Rmn-GP), welches das 1900 errichtete Belle-Époque-Ensemble im Herzen von Paris betreibt, dass sein Haus nach neuen Ausrichtern für ein "internationales zeitgenössisches Kunst-Event" sucht. Als Grund führt Dercon die "spontane Interessensbekundung" einer dritten Partei an dem Grand Palais Éphémère auf dem Champ-de-Mars und dem Grand Palais auf den Champs-Elysées am 8. Dezember des vergangenen Jahres an. Deren Namen will er nicht nennen. Gemäß den Bestimmungen des europäischen und französischen Rechts habe er deswegen einen "Open Call" lanciert, eine Ausschreibung für die Messeplätze. Dercon rechtfertigt sein Vorgehen damit, dass Reed Exhibitions, die Gesellschaft, die die FIAC und die Paris Photo betreibt, keine mehrjährigen Verträge besitze. Offenbar ist eine Laufzeit von sieben Jahren für die neue Veranstaltung geplant.

Die Vorbereitungszeit für den Mega-Event ist kurz: Da kommt nur ein großer Player in Frage

"Wir werden uns nicht unserer historischen Termine berauben lassen", empörte sich Michel Filzi, CEO der RX France, der französischen Dependance von Reed Exhibitions, in einem Rundschreiben an die teilnehmenden Galerien über die überraschende Ankündigung. Viele werben bereits mit ihrem ursprünglich für Oktober beziehungsweise November geplanten Auftritt auf der Fiac und der Paris Photo und zeigten sich auf Nachfrage verwundert. Nun rätselt die Kunstwelt, welche ominöse "dritte Partei" ein Auge auf das prestigeträchtige Palais geworfen haben könnte.

Angesichts der kurzen Vorbereitungszeit bis zum Herbst käme für ein solches Mega-Event nur ein großer, erfahrener Player im Feld der Kunstmessen in Frage. Viele Augen blicken deswegen nach Basel. Und fragen sich, ob die geplante Rochade Vorbote einer weiteren Veränderung der im Gefolge der Pandemie ohnehin labilen Kunstmarkt-Tektonik sein könnte. Vorsorglich hat Messebetreiber RX schon einmal Rechtsmittel gegen die drohende Ausquartierung seiner Messen bei einem Pariser Gericht eingereicht.

Zur SZ-Startseite

Kunst und Corona
:Das große Fressen

Kunst wird gerade wieder zu Rekordpreisen verkauft. Doch die Mechanismen des Markts haben sich verändert - nicht nur wegen der Pandemie.

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB