Festprogramm Magisch magnetisch

Popmotor Afrika: "Bokanté" spielen zusammen mit Bassekou Kouyate (2. v. l.) am 25. Juli.

(Foto: Thomas Dorn)

Das Muffatwerk feiert seinen 25. Geburtstag: Weltmusik trifft auf Tanztheater, Robotik-Performance und Bio-Kunst

Von Michael Zirnstein

Heute, nach 10 000 Veranstaltungen, wirkt das Muffatwerk sehr selbstverständlich auf seine jährlich gut 250 000 Zuschauer - eine Institution, ein "kultureller Energieversorger der Stadt", ein "magischer wie magnetischer Ort", wie Kulturreferent Hans-Georg Küppers auf der Pressekonferenz zum 25. Geburtstag sagte. Dabei kann man leicht übersehen, dass die ehemalige Turbinenhalle (danach Tennishalle) der Stadtwerke vor 25 Jahren erst "herausgeboxt" werden musste als "verzweifelt benötigter Spielraum in München", so der Kulturchef der Stadt, die die privat geführte Kunststation jährlich mit einem Viertel des Etats unterstützt. Das Bemerkenswerteste an der neuen Heimat für damals ziemlich subversive - weil interdisziplinäre, weltoffene, freigeistige - Kultur sei der Ort selbst gewesen, so Dietmar Lupfer, der Programm und Geschäfte seit 25 Jahren mit Stefan Waggershauser stemmt: nicht verbannt an den Stadtrand, sondern im Herzen der Stadt neben Deutschem Museum und Philharmonie.

Wie sich die Independent-Kultur seitdem gewandelt hat - woran das Muffat-Team gehörigen Anteil hatte -, sieht man eben an einer avantgardistischen Band, die Lupfer seit ihren Anfängen begleitet und veranstaltet hat: den Einstürzenden Neubauten. Die spielen ihre "Greatest Hits" bei den zweimonatigen Festspielen eben nicht wie üblich in der Muffathalle, sondern nebenan im philharmonischen Hochkulturpalast (8. September).

Das Jubiläumsprogramm bietet einen - hochgetunten - Querschnitt durch das üblicherweise schon hochwertige Angebot: Es gibt Konzerte, etwa von dem mit fünf Grammys ausgezeichneten und für seine Arbeit mit Paul Simon ausgezeichneten südafrikanischen Vokalensemble Ladysmith Black Mambazo (21.7.) oder vom Snarky Puppy-Ableger Bokanté gemeinsam mit dem Ngoni-Star Bassekou Kouyate aus Mali (25.7.). Außer einer Cumbia-Nacht (27.7.), der Poetry-Slam-Schlacht zwischen Hamburg und München (28.8.) und Tanz etwa von der Hofesh Shechter Company 6./7.9.) steigt mit "Unsplit" noch ein Festival im Festival: Bei Bio-Art- und Robotik-Performances machen Ameisen Musik, fressen Mehlwürmer Mikroplastik, kann man sich Joseph Beuys' Hasenblut als Zäpfchen einführen. Das mag tolldreist sein - aber in zehn Jahren komme keiner mehr an solcher Kunst vorbei, prophezeit Lupfer.

25 Jahre Muffatwerk, Festspiele von 21. Juli bis 19. September