Festnahme von mexikanischem Drogenboss Kate del Castillo wurde "El Chapo" zum Verhängnis

Die Frage ist nur: Fungierte die mexikanische Schauspielerin als Lockvogel der Ermittler? Oder ist sie die Komplizin des größten Drogendealers der Gegenwart?

Profil von Boris Herrmann

Eine große Trinkerin, die mit verheirateten Männern schläft, Marihuana raucht, Drogen schmuggelt, Leute umbringt und viel flucht. So hat sich die mexikanische Schauspielerin Kate del Castillo, 43, einmal charakterisiert - in ihrer berühmtesten Rolle in der Telenovela "La Reina del Sur" (Königin des Südens). Da spielte sie Teresa Mendoza, die Freundin eines Drogenbosses im Sinaloa-Kartell.

Es wundert deshalb nur auf den ersten Blick, dass sich der Boss der Bosse des real existierenden Sinaloa-Kartells, der verheiratete Joaquín "El Chapo" Guzmán seit geraumer Zeit für diese Dame interessiert. Er hat ihr Blumen geschickt und Geschenke, aus dem Gefängnis und auf der Flucht. Die beiden verbindet auch eine längere Brieffreundschaft. Etwas Verwirrung herrscht bezüglich der Frage, ob sich El Chapo eigentlich in Kate del Castillo verguckt hat oder in Teresa Mendoza. Und ob es da überhaupt noch einen signifikanten Unterschied gibt.

Die erstaunliche Geschichte von der jüngsten Festnahme des Ausbrecherkönigs Guzmán handelt zu einem großen Teil davon, wie sich Realität und Fiktion überlagern. Guzmán wurde nach knapp siebenmonatiger Flucht auch deshalb gefasst, weil er einen Film über sein Leben drehen wollte. Kate del Castillo hatte er mit der Organisation des Filmprojekts betraut. Sie kontaktierte Regisseure und Schauspieler und vermittelte auch ein geheimes Treffen zwischen El Chapo und dem zweimaligen Oscar-Gewinner Sean Penn in den Wäldern der Sierra Madre. So erzählt es jedenfalls Penn in einem Artikel für das Magazin Rolling Stone.

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"Ich glaube heute mehr an Chapo Guzmán als an Regierungen"

Laut der mexikanischen Generalstaatsanwaltschaft haben die Kontakte zu den Filmschaffenden entscheidende Hinweise für die Festnahme von Guzmán geliefert. Zu klären wäre, ob Castillo sich als Komplizin des größten Drogendealers der Gegenwart hat einspannen lassen oder als Lockvogel der Ermittler fungierte. Im einen Fall kämen wohl Probleme mit der Justiz auf sie zu, im anderen Fall mit dem Sinaloa-Kartell. Fest steht: El Chapo hat dieser Frau vertraut, das wurde ihm zum Verhängnis.

Die Tochter des berühmten mexikanischen Schauspielers Eric del Castillo lebt seit geraumer Zeit in Los Angeles und besitzt auch die US-Staatsbürgerschaft. Ihre wie auch immer geartete Beziehung zu Joaquín Guzmán begann offenbar 2012, nachdem sie den Kartellboss in einem öffentlichen Appell darum gebeten hatte, Gutes über die Welt zu bringen. "Ich glaube heute mehr an Chapo Guzmán als an Regierungen, die die Wahrheit vor mir verstecken", schrieb sie. Eine Meinung, die zumindest im Nordosten Mexikos mehrheitsfähig sein dürfte, wo die Kartelle mehr zu sagen haben als die Politiker.

In ihrer nächsten Rolle wird Castillo nach Medienberichten die mexikanische First Lady verkörpern. Die spanischsprachige Serie, die 2016 auf Netflix anlaufen soll, heißt: "Ingobernable" (Unregierbar). Auch da ist es nicht weit von der Fiktion zur Realität.

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