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Festlich-Komisches :Weihnachtsmacken

Es steht nur noch "elektronischer Kram" auf den Wunschzetteln, die Weihnachtswichtel streiken, Santa Claus verzweifelt. Und die nächste Geschichte ist nur noch komisch, weil die Großmutter unter einer Weihnachtsmacke leidet.

Von Hilde Elisabeth Menzel

Das Weihnachtsfest spielt in vielen Kindergeschichten von Kirsten Boie eine wichtige Rolle, das gilt für ihre kleinen Helden Jan-Arne und sein Meerschweinchen King-Kong und due "Die Kinder aus dem Möwenweg" oder für Jesper und Jana in "Alles ganz wunderbar weihnachtlich". Immer erleben sie kleine Dramen in der Weihnachtszeit, aber natürlich schenkt Kirsten Boie ihnen ein Happy End unter dem Christbaum.

In "O du fröhliche Entführung" steht Nickel im Mittelpunkt der Geschichte. Weil seine Oma den Winter samt Weihnachten immer auf Gran Canaria verbringt, hat er - sehr gegen den Willen seiner Mutter - schon zu Advent ein brandneues Handy von ihr bekommen und es entgegen den Regeln mit in die Schule genommen. Da bekommt er eine Whatsapp mit einer dringenden Nachricht von einem gewissen SC.

Es stellt sich heraus, dass sie von Santa Claus persönlich kommt und nur versehentlich bei Nikolaus, das ist Nickels richtiger Name, gelandet ist. Santa Claus ist verzweifelt, denn die Weihnachtswichtel streiken, weil die Kinder sich heute nur noch "elektronischen Kram" wünschen statt Holzspielzeug. Wie gut, dass Nickel einen echten "Nerd" kennt, den die Wichtel in aller Eile auf ihren Schlitten laden und in ihre Werkstatt entführen, damit sie von ihm die neuen Techniken lernen, was sie - oh Wunder! - mit Freude tun! Eine lustige, sehr zeitgemäße Weihnachtsgeschichte. (ab 8 Jahre und zum Vorlesen)

KIrsten Boie: O du fröhliche Entführung. Oetinger Verlag, Hamburg 2020. 72 Seiten, 10 Euro.

Als Silke Lambeck ihre heitere Familien-Weihnachtsgeschichte schrieb, konnte sie nicht ahnen, dass die Entscheidung "Familienfest mit der Großfamilie" oder "ruhige Weihnachten zu Hause" in diesem Jahr ein Thema für alle sein würde.

Hier geht es um Paul und seine kleine Schwester Frida, deren Oma - wie Paul es ironisch kommentiert - unter einer "Weihnachtsmacke" leidet und mit ihr die gesamte Großfamilie. Für Oma ist Weihnachten der Höhepunkt des Jahres. Deshalb erwartet sie, dass sich die ganze Familie bei ihr und Opa versammelt, wo der Weihnachtsmann alle Geschenke abliefert, damit sie gemeinsam ausgepackt werden. Und in jedem Jahr serviert sie ihren berühmten Heringssalat, den eigentlich niemand mag. Nun wünscht sich also Pauls Mama ein ruhiges Weihnachtsfest zu Hause ganz ohne Großfamilie! Die siebenjährige Frida ist entsetzt, und als dann auch noch ihre junge, coole Lehrerin behauptet, es gäbe gar keinen Weihnachtsmann, an den Frida so gerne noch glauben möchte, bricht sie zusammen. Da Paul seine kleine Schwester liebt, beschließt er zu beweisen, dass es den Weihnachtsmann doch gibt. Er ahnt ja nicht, auf was er sich da einlässt!

Eine lustige, turbulente Familien-Weihnachtsgeschichte mit einem geheimnisvollen, überraschenden Schluss! (ab 9 Jahre und zum Vorlesen)

Silke Lambeck: Das Weihnachtsmannprojekt. Mit Illustrationen von Barbara Jung. Gerstenberg Verlag, Hildesheim 2020. 196 Seiten, 14 Euro.

© SZ vom 04.12.2020
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