Festival Welche Wonne, welche Lust

Sänger, Schriftsteller, Zeichner - und jetzt noch künstlerischer Leiter? Rolando Villazón stellt sich der Herausforderung.

(Foto: Wolfgang Lienbacher)

Von diesem Jahr an leitet Rolando Villazón die Mozartwoche Salzburg - das Programm ist für ihn ein Roman in fünf Kapiteln, von denen das erste nun aufgeschlagen wird

Von Egbert Tholl

Sein erster Reflex war: Wow! "Regisseur zu sein, war immer ein Teil von mir, Sänger, Schriftsteller, Zeichner. Aber künstlerischer Leiter? Das nähme mir doch viel zu viel Zeit weg." Die dritte Anfrage nach einer solchen Position sagte er dann doch zu. Für die nächsten fünf Ausgaben ist Rolando Villazón Intendant der Salzburger Mozartwoche, die 2019 an diesem Donnerstag beginnt und bis zum 3. Februar dauert.

Nachdem er zugesagt hatte, gab es "eine Lichtexplosion in meiner Brust". Es ist wunderbar, wie sich Villazón über Jahrzehnte hinweg seine Euphorie für Musik und sein Künstlersein bewahren und diese Euphorie dann auch so ausdrücken kann, wie nur er so etwas tut. Die Lichtexplosion ging dann freilich einher mit der Erkenntnis, dass auch die Mozartwoche, obwohl nur zehn Tage pro Jahr, sehr viel Arbeit bedeutet. Denn ein Problem sei: Es gibt zwar sehr viele Werke von Mozart, aber spielen wollen die meisten Musiker immer nur wenige davon. Größere Orchester nur die letzten der Symphonien, Pianisten die letzten Klavierkonzerte. Die Lösung: "Man muss mit den Musikern musikalisch sprechen. Themenvorgaben wie etwa ,Mozart und die Freundschaft' bringen wenig." Und: Schon bei der Planung seiner ersten Mozartwoche hatte Villazón die kommenden vier im Blick. "Dann muss man nicht immer wieder neu dagegen kämpfen, dass jeder immer dasselbe spielen will."

Und dennoch gibt es bei Villazón, anders als bei seinen Vorgängern, nur Musik von Mozart. Kammerkonzerte, symphonische Konzerte, das Schauspiel "Thamos", zu dem Mozart die Bühnenmusik schrieb und das in der Felsenreitschule von Carlus Padrissa von der Gruppe La Fura dels baus inszeniert wird. Es gibt das frühe Singspiel "Bastien und Bastienne" im Salzburger Marionettentheater, Lesungen von Briefen Mozarts, Opernkonzerte. Bespielt wird eigentlich die ganze Stadt.

"Die fünf Jahre sind wie ein Roman mit fünf Kapiteln. Die werden erfüllt von Flexibilität und Spontanität, von den Ideen der eingeladenen Künstler." Die Besetzung der vielen Aufführungen ist ohnehin grandios, vereint junge Künstlern mit sehr arrivierten. Das ist ja eine der großen Freuden, die die Tätigkeit als künstlerischer Leiter mit sich bringt: Leute zusammenbringen. "Es gibt keine kleineren oder größeren Künstler. Allen gebühren die gleiche Liebe und der gleiche Respekt." Selbst tritt er zwar auch auf, aber nur an Abenden als einer von vielen. Denn er will kein Villazón-Festival, er will ein Mozartfestival. Sein einziger Soloauftritt sind an Mozarts Geburtstag Mini-Ständchen an dessen Lebensorten in Salzburg, zusammen mit den Los Mariachis Negros. Das sind die Momente, bei denen sich der künstlerische Leiter Villazón dachte, na gut, ich kann diesen Sänger Villazón engagieren.

"Mozart war kein Rebell, kein Revolutionär, er hat mit den Regeln seiner Zeit gespielt, aber nicht für die Zukunft komponiert. Sondern für den Moment." Tatsächlich hat Mozart kaum größere Werke ohne konkreten Auftrag geschrieben. Auch "Thamos" nicht, dessen Aufführung man vielleicht als den Programmhöhepunkt erachten kann. "Da sind Sängerinnen und Sänger von überall aus der Welt dabei, Mexiko, Ägypten." Aber das mit dem Höhepunkt sieht Villazón natürlich anders. Jeder Programmpunkt stehe gleichberechtigt neben dem anderen. Und vor allem müsse jedes Genre, in dem Mozart tätig war, vertreten sein. Also geistliche Musik, Kammermusik, Orchester, Oper, Chor.

Ein echtes Kabarett soll die Lesung der Mozartbriefe werden, die auch auf den Umstand rekurriert, dass Mozart Freimaurer war. "Das waren Intellektuelle, keine Esoteriker." Wer also ein paar saftige Bäsle-Briefe sich erhofft, wird vielleicht enttäuscht. Aber um das herauszufinden, muss man nach Salzburg fahren.

Mozartwoche Salzburg, Do., 24. Jan., bis So., 3. Feb., Stiftung Mozarteum, Karten: www.mozarteum.at und www.mozartwoche.at