Festival:Tradition und Experiment

Das Festival "Zither am Berg" erschließt den Wendelstein musikalisch und zeigt neue und zeitlose Facetten eines alten Instruments

Von Astrid Benölken

Ach, dieses Image. Georg Glasl, Präsident des Zithermusik-Bundes, mag es schon gar nicht mehr hören. Seinem Instrument hängt der Hauch von etwas Altbackenem nach; die Erinnerungen an "The Third Man" und ein Rest Alpenkitsch haben sich recht beharrlich zwischen den Saiten eingenistet. Dabei hat sich die Szene selbst längst von diesem Bild emanzipiert. "Das Klischeebild tangiert uns wenig", sagt Glasl, gerade die junge Szene sei "quicklebendig und sehr selbstbewusst". Neben traditionellen Tönen finde man in der Zither-Szene auch immer wieder experimentierfreudig-frische Klänge, gerade die Balance zwischen Bekanntem und Aufbruch mache den besonderen Reiz des Instruments aus. Zitherklänge in verschiedensten Facetten gibt es an diesem Samstag bei dem von Glasl organisierten Festival "Zither am Berg" zu hören.

Der namensgebende Wendelstein ist Teil des Konzepts - und der Musik: Erste Kurzkonzerte gibt es bereits auf dem Weg nach oben in der historischen Zahnradbahn. Wer auf halber Höhe aussteigt und in die Mitteralm einkehrt, bekommt mit Ensembles wie der Wiesmühldorfer Musi, dem Saitenduo Huber und der Höglinger Stubnmusi eher Volksmusik zu hören. Avantgardistischer geht es auf dem Gipfel zu. Auf der exponierten Aussichtsplattform "Gacher Blick", auf der man bei gutem Wetter bis nach München sehen kann, ist den ganzen Tag über eine von Hauke Harder konzipierte, auf Naturtönen basierende und speziell auf den Wendelstein abgestimmte Klanginstallation zu hören, die sich akustisch in das Bergpanorama schmiegt.

Zither d'housemusi

Wenn Toni Fischer, Sepp Müller und Martin Regnat (v.l.n.r) als "D'Housemusi" loslegen, wird aus Stubenmusik Stubenrock, bis der Wendelstein bebt.

(Foto: Veranstalter)

Der technischen Seite des mit Funkmast, Wetterstation und Sternwarte voll erschlossenen und genutzten Bergs widmet sich Sgraffito Wendelstein. Aus dem Ächzen der historischen Zahnradbahn, den Durchsagen in den Kabinen und dem Gemurmel der Menschenmenge komponierte Marcel Zaes ein Stück, das die Symbiose von Mensch, Technik und Berg hörbar macht - und mit 20 Minuten genauso viel Zeit einnimmt, wie die Bahn vom Tal bis zum Gipfel braucht. Auf der Sonnenterrasse des Wendelsteins wird dieses Werk nun im Rahmen des Festivals uraufgeführt.

Bei allen Konzerten geht es Organisator Glasl darum, neue Töne anzuschlagen, der Zither aber trotzdem keine andere Klangfarbe aufzuzwingen. Ein wenig "Fremdgehen" ist allerdings durchaus erwünscht, etwa, wenn Guqin und Guzheng, chinesische Schwestern der Zither, beim Festival auch internationale Töne anklingen lassen. Zu hören gibt es diese Klänge in der geradezu intimen Atmosphäre im Wendelsteinkircherl, wenn die international erfolgreiche Guqin-Spielerin Xu Fengxia in der Kapelle auf 1740 Metern Höhe in die Saiten greift. Gemeinsam mit Georg Glasl unternimmt Xu Fengxia als Duo Mond süchtig im Wendelsteinhaus eine Wanderung zwischen den Welten. Die verschiedenen Klangfarben von Zither und Gunzheng legen sich übereinander und schaffen etwas Neues, Unerhörtes, das mal sphärisch-träumerisch klingt, dann wieder dicht und kraftvoll.

Zither Mondsüchtig

China trifft auf Bayern: Das Duo "Mond süchtig" mit Xu Fengxia und Georg Glasl.

(Foto: Veranstalter)

Auch die ganz junge Szene bekommt die Möglichkeit, sich zu präsentieren. Das Jägerstüberl im Wendelsteinhaus ist für Gruppen wie die Fleck Dirndln, die Innschleifen Zithermusi, das Bayerische Jugendzitherorchester und zahlreiche Jugend-musiziert-Preisträger reserviert.

Dazu kommen unterschiedliche Konzerte im Salon Wendelstein, wo bereits profilierte Zithergrößen musizieren werden. Dort spielen unter anderem die drei Jungs von D' Housemusi auf, die Saiten mit Harmonika und Percussion kombinieren. Statt Stubenmusik gibt es dann eher Stubenrock auf die Ohren. Überhaupt nicht altbacken.

Zither am Berg, Sa., 19. Sep., ab 13 Uhr, Wendelstein, Eintritt frei gegen Vorlage eines Wendelsteinbahntickets, www.wendelsteinbahn.de

© SZ vom 18.09.2015
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB