Festival Picknickkorbpunk

Eine Band wie gemacht für das Puch-Programm: "Die Nerven" aus Stuttgart lassen mit ihrem Noise-Punk die Republik zucken und zappeln.

(Foto: Südmotor Veranstaltungs-GmbH)

Das "Puch Open Air" ist das exquisiteste und idyllischste Indie-Event Bayerns. Ein Glück, dass es noch da ist

Von Martin Pfnür

Fragt man Peter Wacha alias Upstart, was für ihn das Besondere am "Puch Open Air" ausmacht, so muss er erst mal kurz innehalten. Nicht etwa, weil es da nichts Besonderes zu erzählen gäbe, vielmehr, weil da eine ganze Reihe an Besonderheiten aufzuzählen ist. "Die Idylle des Ortes", sagt Wacha, der als Mitbetreiber des Münchner Clubs "Rote Sonne" 2014 das Booking des Festivals übernahm, schließlich im Hinblick auf das Theatron, das sich durch die Hanglage von Hubert Lehmeiers Schweineweide, gleich neben dessen Bauernhof ergibt. Um gleich darauf in einen Monolog überzuleiten, der von der familiären Atmosphäre und der langjährigen Freundschaft aller Ehrenamtlichen über den Picknickkorb, den man als Besucher mitnehmen darf, bis hin zu den entspannten Sicherheitsbestimmungen reicht. "Letztes Jahr hatten wir einige Fans des Liedermachers Voodoo Jürgens da. Die kamen mit Mistgabeln an, die sie beim Konzert nach oben gehalten haben. Auf welches Festival kriegst du heute bitte noch Mistgabeln rein?"

Falls sich nun womöglich der Eindruck einer Art Hinterwäldler-Veranstaltung für alternative Jungbauern aufdrängt, so sei an dieser Stelle unbedingt das Gegenteil versichert. Überzeugt doch das Puch seit seiner erstmaligen Ausrichtung als kleines Familienfest, das die Brüder Lenz und Hubert Lehmeier 1989 mit ihrer Post-Punk-Band Animal Crakers in einer Kiesgrube des benachbarten Puchbauern ins Leben riefen, durch ein Line-up, wie es für den Indie-Fan kaum ansprechender sein könnte.

Fanden sich nach dem 1991 erfolgten Umzug auf Lehmeiers Schweineweide noch Bands aus der Region ein, wie die damals primär dem Hardcore verpflichteten Weilheimer The Notwist, so geriet das Puch alsbald zum Mekka von Diskursrock-Conaisseuren. Tocotronic, Blumfeld, Kante, Die Goldenen Zitronen, Die Sterne - der gesamte deutsche Indie-Adel stand hier bereits auf der Bühne. Kein Wunder also, dass das Puch beim Zehnjährigen 1999 mit den nun ungleich bekannteren Tocotronic und The Notwist bereits massiv an seine Kapazitätsgrenzen stößt, was grundsätzlich ja eine schöne Sache ist, die Verantwortlichen aber auch nachdenklich stimmt. "Wir wollten das Puch eigentlich nie wirklich groß machen", sagte Hubert Lehmeier damals. Man entschließt sich deshalb, bis auf Weiteres auf größere Namen zu verzichten, um die Besucherzahlen wieder einzupendeln, was dann auch ganz wunderbar funktioniert, wie etwa das zwanzigjährige Jubiläum mit Ja, Panik oder The Nightingales aus Birmingham beweist. Allein, das Wetter sollte es danach nicht mehr gut meinen mit dem kleinen Festival Puch. 2010 sorgen massive Regenfälle dafür, dass das Festival erstmals ausfällt. 2011 zieht man lieber gleich ins Feierwerk um - und auch der Sommer darauf fügt sich in den Puch-Fluch ein, wenngleich man diesmal trotz Sauwetters zur (entsprechend mau besuchten) Hügelsause lädt. Für Thomas Lechner, der das Festival über Jahre als Booker betreut hat, ist danach Schluss. Entnervt von den Wetterkapriolen zieht er sich zurück. Die Zukunft des Puch? Ungewiss.

"Ich konnte einfach nicht dabei zuschauen, wie sich das Festival sang- und klanglos verabschiedet", sagt Peter Wacha, der nach der Pause von 2013 das Ruder wieder in die Hand nimmt und das Puch zusammen mit Hubert Lehmeier und dessen Frau Gerlinde neu aufstellt. Ob sich mit ihm auch die Ausrichtung verändert habe? "Ein bisschen, da wir zum Schluss nun gerne etwas Elektronisches bringen", sagt er. "Aber klar, Mount Kimbie, Mouse On Mars oder die Schlachthofbronx - solche Acts gab es vorher nicht, da gehen wir heute auch größere Risiken ein", sagt er.

Umso schöner also, dass auch das hinterfotzige Wetter seit Wachas Einstieg wieder mitspielt. Abgesehen von einem kurzen Gewitterschauer beim Konzert des einstigen Can-Drummers Jaki Liebezeit sei es trocken geblieben in den vergangenen Jahren. Bleibt zu hoffen, dass auch die Konzerte der nach langen Jahren wiederkehrenden The Notwist, des famosen Stuttgarter Punk-Trios Die Nerven oder der kanadischen Dunkelpsychedeliker Suuns vor einem trockenen Publikum stattfinden. Für Samstag werden 26 Grad vorausgesagt - und ein Gewitterrisiko von 50 Prozent.

Puch Open Air, Samstag, 14. Juli, 16 Uhr, Lueg 1 bei Jetzendorf