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Festival:Bilder bilden

Die Filme, die bei "Kino Asyl" laufen, sollen Vorurteile abbauen und Zuschauer ins Gespräch bringen. Geflüchtete junge Menschen haben die Werke aus ihren Heimatländern ausgewählt

Sieht aus wie Bollywood, ist aber ein Drama aus Afghanistan: "Hassan“ erzählt von dem Betreiber einer Charity-Organisation, die herzkranken Kindern eine Operation im Ausland ermöglicht.

(Foto: Emaan Films Production)

Wenn zwei Unbekannte sich einander nähern wollen, geschieht dies gemeinhin über Sprechen und Zuhören - wobei im Idealfall jeder mal den einen, mal den anderen Part übernehmen sollte. Bei "Kino Asyl" kommt noch ein drittes Element ins Spiel, das Zuschauen. Erneut zeigt das Münchner Festival Filme, die junge Menschen mit Fluchthintergrund aus unterschiedlichen Herkunftsländern kuratiert haben. Sie präsentieren sie von diesen Sonntag an in den Kammerspielen, im Bellevue di Monaco, im Gasteig, im NS-Dokumentationszentrum, in der Filmhochschule und im Pixel. Auch in der fünften Ausgabe von "Kino Asyl" geht es nicht nur um die Vorführung von Filmen, sondern auch um die Persönlichkeit derjenigen, die sie ausgewählt haben. Sie gewähren Einblicke in ihre Biografien und ihre kulturellen Lebenswelten.

Der afghanische Spielfilm "Hassan" aus dem Jahr 2018 sei gleich in mehrfacher Hinsicht "ein schönes Symbol" für das Festival, sagt Thomas Kupser vom Medienzentrum, das mit Refugio München das Festival veranstaltet. Der Film war bislang noch nie in Deutschland zu sehen, im Gasteig läuft er am Dienstag, 3. Dezember, mit englischen Untertiteln. Die Anmutung bonbonbunter Bollywood-Ästhetik täuscht hier, denn der Regisseur Emaan behandelt ein todernstes Thema: In dem Film engagiert sich der Titelheld mit einer gemeinnützigen Lottogesellschaft dafür, herzkranken Kindern von armen Familien eine Behandlung im Ausland zu ermöglichen. Ausgesucht hat den Film die 16-jährige Afghanin Momena Saighani, die seit drei Jahren in Deutschland lebt. "Sie war im vergangenen Jahr mit ihrer Schulklasse bei Kino Asyl und meldete sich danach bei uns", sagt Kupser. Saighani ist eine der wenigen Frauen in dem 20-köpfigen Kuratoren-Team.

Gleich am Eröffnungstag in den Kammerspielen gibt es die Gelegenheit, die populäre Comedy-Serie "Taxi Driver" aus Ghana kennenzulernen, die von den täglichen Begegnungen eines Taxifahrers erzählt. Beim Syrischen Serienabend am 4. Dezember ist zu erleben, was dort seit vielen Jahren Kult ist: Im Bellevue di Monaco laufen Folgen der Serien "Qalam Humra" ("Lippenstift") und "Al Fussool Al Arba" ("Vier Jahreszeiten"), die eigens für diesen Abend deutsch untertitelt wurden. Zum Abschluss bietet sich noch eine weitere Variante der Annäherung: Die "Closing Party" am Abend des 6. Dezember im Pixel.

Kino Asyl, Sonntag, 1., bis Freitag, 6. Dezember, Programm unter www.kinoasyl.de