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Faye Dunaway wird 80:Meisterin der kühlen Biester

***BESTPIX*** Alternative View - 66th Locarno Film Festival

Festivalgöttin: Faye Dunaway mit dem Leoparden, der ihr auf der Piazza von Locarno überreicht wurde.

(Foto: Vittorio Zunino Celotto/Getty Images)

Zum 80. Geburtstag der Schauspielerin Faye Dunaway, die als Gangsterbraut berühmt wurde, aber auch ganz andere Seiten offenbaren konnte.

Von Susan Vahabzadeh

Wenn man alte Filme ansieht, wird man manchmal den Eindruck nicht los, als seien die Menschen früher anders gealtert. Die Fünfzigjährigen von einst wirken oft wie die Siebzigjährigen von heute, klar. Es gab aber früher auch Menschen, die mit fünfundzwanzig eine Reife ausstrahlten, als hätten sie etwas ganz anderes erlebt. Faye Dunaway in "Bonnie und Clyde" ist dafür ein gutes Beispiel. Sie war bei den Dreharbeiten im Herbst 1966 25 Jahre alt, und sie sah ungeheuer jung aus. Aber gleichzeitig hat Bonnie eine Härte, die Clyde fehlt; sie ist abgebrüht, als hätte sie schon alles gesehen.

"Bonnie und Clyde", Arthur Penns Film über das legendäre Gangsterpärchen, das zur Depressionszeit Banken ausraubte und bald im Kugelhagel starb, gilt als der Beginn von New Hollywood, als der Moment, als sich die siechende amerikanische Filmindustrie neu erfand. Die junge Schauspielerin Faye Dunaway konnte das nicht wissen. Mit Ach und Krach hatte ihr Co-Star Warren Beatty, der auch der Produzent war, den Studioboss Jack Warner dazu bringen können, den Film überhaupt herauszubringen.

Faye Dunaway hätte die Rolle fast nicht bekommen, von der sie später sagte, sie sei ihr näher gegangen als jede andere. Beatty wäre Natalie Wood lieber gewesen. Vorher. Hinterher hat nie wieder jemand behauptet, jemand anders hätte Bonnie spielen können. Nicht einmal Faye Dunaway selbst: "Ich konnte mich wirklich mit Bonnie identifizieren. Sie war wie ich, ein Mädchen aus dem Süden, das unbedingt heraus wollte aus dem Süden. Sie war bereit, Risiken einzugehen, sie wollte etwas haben vom Leben. Ich wusste genau, was sie fühlte, denn ich fühlte es selbst seit Jahren."

Faye Dunaway, geboren am 14. Januar 1941 in Florida, wollte tatsächlich bloß weg - erst an die Uni in Florida, dann an die in Boston, dann, 1962, an die Theaterakademie des Lincoln Center in New York, wo sie bald den Dramatiker William Alfred kennenlernte, der ihr Mentor wurde, und dem sie sein Leben lang freundschaftlich verbunden blieb. Sie brauchte aber nicht lange Unterstützung - zwei erste kleinere Filmrollen hatte sie 1966 auch noch bekommen, in einer Komödie mit Anthony Quinn und in Otto Premingers "Morgen ist ein neuer Tag". Die beiden Filme waren noch nicht einmal im Kino, als sie zu Bonnie wurde. Sie wurde für den Oscar als beste Hauptdarstellerin nominiert - vorbei mit den Nebenrollen. Wer so anfängt, kommt als unbedarftes Mädel nicht in Frage.

Sie war immer am besten, wenn sie Frauen spielte, die man für verführerische Biester halten kann; vor allem aber weiß man nie so recht, was hinter der Eleganz, der kühlen, perfekt gestylten Fassade mit den glatten, honigfarbenen Haaren wartet. Ganz plötzlich weicht dann alle Kälte, und die Emotionen brechen aus ihr heraus.

Für die nächste große Rolle war das genau richtig - in "Thomas Crown ist nicht zu fassen" spielte sie im Jahr darauf neben Steve McQueen die Versicherungs-Detektivin Vicki Anderson, die dem gelangweilten Millionär Thomas Crown auf die Schliche kommt, der zum Zeitvertreib Banken ausraubt. Sie will ihn zur Strecke bringen, aber sie verliebt sich in ihn.

Faye Dunaway war die Frau, die Steve McQueen als gerissenem Millionär Paroli bieten konnte

Für eine solche Rolle musste es schon eine Frau sein, die einem solchen Typ das Wasser reichen kann. In einer großartigen Szene spielt sie gegen Crown Schach, mit schweren Lidern sitzt sie ihm gegenüber, schaut sich in dem prachtvollen Zimmer um und sagt mit rauchiger Stimme: Wäre schade, das alles zu verlieren. Das Lied zum Film passte ungeheuer gut zu ihr: "And the world is like an apple whirling silently in space/ Like the circles that you find in the windmills of your mind."

Die nächste Femme fatale wartete schon auf sie, Evelyn Mulwray in Roman Polanskis "Chinatown" (1974), die Frau, die den Detektiv Gittes (Jack Nicholson) in die Intrigen ihres Vaters hineinzieht. Und dann drehte sie zwei weitere Klassiker: Sie spielte die eisige Programmchefin Diana Christensen in Sidney Lumets "Network" (1976), die für Einschaltquoten vor nichts zurückschreckt, dafür bekam sie den Oscar. Und sie hauchte einer sympathischeren Figur Leben ein, Kathy in Sydney Pollacks "Die drei Tage des Condor" (1975).

Kathy reagiert ausgesprochen kaltschnäuzig, als sie von einem CIA-Bücherwurm (Robert Redford) entführt wird, aber als sie begreift, dass er tatsächlich nur auf der Flucht vor seinen eigenen Vorgesetzten ist, die ihn umbringen wollen, wird sie mit der gleichen Kaltschnäuzigkeit seine Verbündete. Es ging danach bergauf und bergab mit Faye Dunaways Karriere, aber letztlich hat kaum eine andere Schauspielerin dieses großartige Jahrzehnt des amerikanischen Kinos so geprägt wie sie.

Die Rollen als elegante Biester, die sie so perfekt meisterte, haben dann später auf ihr Image abgefärbt - zu Unrecht, fand beispielsweise Sidney Lumet. Vielleicht war dieses eigenartige Image gar nicht in den Rollen begründet, in den gefährlichen Frauen wie Bonnie und Vicki - vielleicht lag es daran, dass sie abseits er Kamera einmal zu oft die Dinge beim Namen nannte. Jedenfalls tat Faye Dunaway sich dann schwer, jenseits der vierzig noch gute Angebote zu bekommen, vielleicht auch, weil die in ihrer Generation noch besonders rar waren.

Also wich sie auf einige recht seichte Filme und aufs Fernsehen aus, und sagte dann auch, die Qualität der Drehbücher lasse zu wünschen übrig. Nett ist das vielleicht nicht. Anderseits kann man einer Frau, die eine solche Filmografie vorweisen kann, Urteile über Drehbücher zutrauen. Faye Dunaway erlebte dann auch ein spätes Kino-Revival in den neunziger Jahren, in Emir Kusturicas "Arizona Dream" beispielsweise. Aktuell spielt sie immer noch, aber sie muss nichts mehr beweisen: Innerhalb eines Jahrzehnts, an dessen Ende sie erst 35 Jahre alt war, hatte sie fünf Filme gedreht, die für immer einen Platz als Klassiker der Filmgeschichte beanspruchen werden. Am Donnerstag wird Faye Dunaway achtzig Jahre alt.

© SZ/kni
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