Favoriten der Woche:Kölner Kistenkunst

Favoriten der Woche: Und schuld ist? Der Westen! Eine Frage aus dem Quiz des russischen Online-Magazins "Meduza".

Und schuld ist? Der Westen! Eine Frage aus dem Quiz des russischen Online-Magazins "Meduza".

(Foto: Screenshot Meduza)

Warum in Russland immer der Westen schuld ist, wo man gerade Kunst sehen kann, und weshalb Moneypennys Bond-Rasur in "Skyfall" den Verkauf von Rasiermessern um 400 Prozent ankurbelte.

Von SZ-Autoren

Russland und der Westen: Paranoia als Quiz

Der Kampf um die Macht in Russland ist in eine neue heiße Phase getreten: die humoristische. Das jüngste Video von Wladimir Putins gefährlichstem Gegner Alexej Nawalny ist ein bitterböser, pointensicherer Investigativ-Sketch über den "Palast des Zaren", also: Putin. Auch das Online-Magazin Meduza operiert mit der Methode des entlarvenden Witzes. Unter der Rubrik "Spiele" (Igry) lässt es die Nutzer raten, ob es in Putins Palast auch einen eigenen Hundeschlafsaal gibt (nein) oder einen Raum zur Verarbeitung von Fleisch und Fisch (ja). In einem anderen Spiel greift Meduza ein wenig weiter aus, geopolitisch, ja global. In einem Quiz mit dem Titel "Wer ist an allem schuld? Der Westen, der Westen oder doch der Westen?" sollen die Nutzer Zitate des russischen Außenministers Sergej Lawrow erraten oder ergänzen. Wer habe jahrelang an der Entwicklung des Nervengiftes Nowitschok gearbeitet, mit dem Nawalny in Russland vergiftet wurde? "Experten einiger westlicher Länder"? "Experten eines westlichen Landes (alle wissen, welches)"? "Experten konkreter westlicher Länder"? "Experten vieler westlicher Länder" (richtige Antwort)? Wer richtig rät, bekommt ein schönes Lob der Administratoren für seine "Intuition".

Etwa auch bei dieser kniffligen Frage: Wer hat vor sechs Jahren zu Sanktionen gegen Russland aufgerufen, um die russische Wirtschaft zu zerstören und Proteste anzufeuern? "Alle Bürger des Westens"? Nun, das ginge vielleicht doch etwas weit. Lawrow sprach lediglich von "Personen des öffentlichen Lebens im Westen". In sieben Multiple-Choice-Fragen dokumentieren die Spielemacher auf diese Weise nicht nur die gefühlt 100-jährige Amtsdauer des russischen Außenministers, sondern auch Lawrows inzwischen komplett erstarrte Rhetorik. Wie oft hat man von ihm gehört, dass nicht "Politiker" des Westens auf Schlimmes sinnen, sondern westliche "Kollegen", was gleich noch ein bisschen gemeiner klingt? Ein Klassiker der Verschwörungstheorie ist auch der stete Verweis auf westliche "Sponsoren", die praktisch weltweit Einfluss ausüben, konkret und ärgerlicherweise aber vor allem in der Ukraine. Meduza bietet auch eine englische Version, aber diese Spiele gibt es bislang nur auf Russisch. Nun, wofür hat man die Übersetzungshilfen des Internet? Die Mühe lohnt sich, denn als Ergebnis, und das ist dann keine Überraschung mehr, stellt sich heraus, dass die russische Außenpolitik doch nur in eine Richtung blickt: "nach Westen". Sonja Zekri

"Peaky Blinders" findet ein Ende - zum Glück

Favoriten der Woche: Vor Beginn der sechsten und letzten Staffel gibt es kaum eine Branche in England, die Thomas Shelby (Cillian Murphy) nicht kontrolliert.

Vor Beginn der sechsten und letzten Staffel gibt es kaum eine Branche in England, die Thomas Shelby (Cillian Murphy) nicht kontrolliert.

(Foto: Robert Viglasky/Netflix)

Peaky Blinders geht bald weiter, verkündete das Branchenblatt Variety in dieser Woche. Aber auch: Nach der sechsten Staffel ist Schluss. Nachrichten wie diese sind für Fans natürlich bittersüß. Zu gern würde man der Tweedsakko-Gang aus dem Birmingham der Zwanziger weiter bei ihren skrupellosen Geschäften zusehen. Inzwischen gibt es kaum etwas, das Thomas Shelby und sein Clan nicht kontrollieren: Pferdewetten, Kokain, Whiskey, Zigaretten, selbst Aktien. Aber es ist eh schon längst zu viel - und so gesehen die Nachricht, dass bald Schluss sein wird, eine gute. Denn der Charme der BBC-Serie liegt darin, dass die Shelbys aus der sumpfigen Gosse kommen und sich mit ihrem Rotz, ihren Kriegstraumata von der Somme und ihrer Hemdsärmeligkeit in die feine englische Business Class vorarbeiten. Aber je weiter sie aufsteigen - inzwischen hat ein Shelby schon die Geschäfte in Amerika übernommen -, desto mehr Rotz und Straßenköter-Charme verlieren sie. Und der großartige Tom Hardy als Fiesling Alfie Solomons ist eh nicht mehr dabei. Carolin Gasteiger

Unnützes James-Bond-Wissen

Favoriten der Woche: Das 007-Universum ist gigantisch, passt aber in ein Buch über "unnützes James-Bond-Wissen".

Das 007-Universum ist gigantisch, passt aber in ein Buch über "unnützes James-Bond-Wissen".

(Foto: Cross Cult)

Muss man wirklich wissen, dass 007 in "Ein Quantum Trost" mehr Drinks zu sich nimmt als in jedem anderen Bond-Film? Erstens: Ja, wenn man Bondologe sein will. Und zweitens: Während eines Flugs in diesem Film trinkt Daniel Craig in seiner Rolle als Agent im Dienst Ihrer Majestät sechs Wodka Martini. Sagt jedenfalls das herrlich trunkene Buch "Unnützes James-Bond-Wissen" von Danny Morgenstern, der darin mehr als "2500 Fakten über 007" akribisch zusammengetragen hat (herausgegeben von Cross Cult, 464 Seiten, 15 Euro). Ein Quantum Trost, darf man seither sagen, besteht pro Flugreise aus sechs Wodka Martini. Mindestens.

Wie war das schön, als man das Wort "Flugreise" - lange vor der Erfindung der Flugscham, des Corona-Elends und des antitoxischen Lebensstils - mit sechs Wodka Martini, ein paar Bond-Filmen und einem grandios antiquierten Machismo assoziieren durfte. Wobei die Produzenten dieses Quantum Trost auch benötigten: Mit einem Budget von 230 Millionen Dollar war es, so Morgenstern, der teuerste Bond-Film bis dahin. Und: nicht der beste obendrein. Aber, und das steigert die Laune beträchtlich, während man coronabedingt immer noch auf den nächsten, einmal mehr verschobenen Bond ("Keine Zeit zu sterben") und das sehr vermisste Paradies der Kinoleinwand wartet: Danny Morgensterns unnützes Wissen hilft einem trostmäßig durch ein Quantum Wartefrust.

Bond weiß alles über die Welt. Das Buch alles über Bond

Wobei man, denkt man an Ian Fleming als Erfinder des James-Bond-Universums, sagen muss: Unnützes Wissen gibt es hier nicht. Denn das ist typisch für Bond: Er weiß alles. Das liegt auch daran, dass Fleming die Romanvorlagen unter großem Zeitdruck verfasste und folglich das tat, was alle Autoren machen, wenn sie in der Eile nicht weiterwissen: abschreiben. In diesem Fall allerdings schrieb Fleming zeilenschindend aus einigen Lexika ab. Wenn Bond also von irgendeinem gefährlichen Reptil angegriffen wird (Schlange, Skorpion), dann heißt es in den Büchern etwa: "Bond überlegte blitzschnell, was er darüber wusste" ... und es folgen ein bis zwei Seiten Lexikonwissen.

Es ist die Rache der Bondologen, alles, wirklich alles Sinnfreie über die Bond-Filme zu wissen. Zum Beispiel: Mochte Valerie Leon die Bettszene mit Sean Connery in "Sag niemals nie"? Oja, denn "sie mag nach eigenen Angaben Männer mit behaarter Brust". Ist das unnützes Wissen? Auf gar keinen Fall. Gerhard Matzig

Schweigen der Lämmer

AFI Life Achievement Award

Jodie Foster hatte, kurz bevor sie "Das Schweigen der Lämmer" drehte, 1989 einen Oscar für ihre Hauptrolle in "Angeklagt" gewonnen.

(Foto: Jordan Strauss/picture alliance/dpa/Invision/AP)

Vor ziemlich genau 30 Jahren kam der Klassiker des Serienmörder-Thrillers in den USA ins Kino: "Das Schweigen der Lämmer" von Jonathan Demme. Anthony Hopkins und Jodie Foster haben sich zu diesem Anlass für das Magazin Variety zu einem Videogespräch getroffen und viele gegenseitige Komplimente, aber auch sehr unterhaltsame Erinnerungen an ihren gemeinsamen Filmdreh damals ausgetauscht. Hopkins erzählt zum Beispiel, dass er beim Drehbuchtitel dachte, es handle sich um einen Kinderfilm. Als er den Part des Hannibal Lecter zum ersten Mal probte, sagt Foster, sie habe "gespürt, wie es kalt wurde im Raum". Nur: Der Schauspieler einer der beängstigendsten Filmfiguren überhaupt hatte beim Dreh selbst Angst - und zwar vor Jodie Foster: "Ich dachte", sagt Hopkins: "Die hat gerade einen Oscar gewonnen!" Kathleen Hildebrand

Kunstklitterungen

Walid Raad Kunststation Sankt Peter 20.11.2020 âÄ" Chris Franken Fotografie âÄ"

Kölner Kistenkunst von Walid Raad.

(Foto: Chris Franken/Chris Franken)

Nur weil der Ausstellungsort eine Kirche ist, sind Walid Raads gewaltige Holzkonstruktionen überhaupt zu erleben - die Kölner Kunststation St. Peter ist einer der wenigen Orte, in diesem Winter überhaupt Kunst zu sehen. Der Titel "I long to see the masses again" ("Ich sehne mich danach, die Massen wiederzusehen") bezieht sich auf die Geschichte, die der libanesisch-amerikanische Künstler den lose gestapelten Kisten mitgibt. Sie sollen Denkmäler enthalten, die 1975 während des Bürgerkriegs in Libanon eingepackt und nach Köln verschifft worden seien - wo die begleitende Kustodin dann angefangen habe, sie wieder zusammenzusetzen. Die Aufbauten erinnern nicht nur an die Denkmalstürze des zurückliegenden Sommers - sie berühren alle, die selbst gerade in ihrer Erinnerung nach Kunsterlebnissen kramen, sie zusammenklittern und -stückeln. (Bis 14. März) Catrin Lorch

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