Fünf Favoriten der Woche:Eine unglaubliche Rarität

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Fünf Favoriten der Woche: Zwei bis vier Millionen Euro sollte man übrig haben: Diese Leica gehörte schließlich Oskar Barnack - dem Erfinder.

Zwei bis vier Millionen Euro sollte man übrig haben: Diese Leica gehörte schließlich Oskar Barnack - dem Erfinder.

(Foto: p.weinhofer)

Kamera für vier Millionen gefällig? Ansonsten im Angebot: Minimal Music, Kate Bush bei "Stranger Things", der Comic-Salon Erlangen und ein Künstler aus der Gänsegeiervoliere.

Aus der SZ-Redaktion

Leica 105

Laien zucken nur die Schultern, doch der winzige Teil der Menschheit, der sich für Fotokameras interessiert, wird an diesem Wochenende in einen schwer vermittelbaren Zustand aus Staunen und Ekstase geraten. In Wetzlar, der Geburtsstadt der Leica, wird am Samstag die legendäre 105 versteigert. Die gehörte Oskar Barnack - dem Erfinder der Leica - , weshalb sie zu den historisch bedeutendsten Kameras überhaupt gehört. Sie umfasst in ihrer ganzen Winzigkeit die ruhmreiche Geschichte dieser Fotomarke, die es eigentlich nur deshalb gibt, weil Barnack krank und schwächlich war. Für die damals üblichen klobigen Plattenkameras hatte der Tüftler mit einer Liebe für die Bergwelt einfach keine Kraft. Und so erfand er, eigentlich für sich, diese Kleinbild-Kamera, die sein Chef Ernst Leitz 1924 in Serie gehen ließ und Leica nannte (für Leitz-Camera). Barnacks 105 ist ein Vorserien-Modell - eine unglaubliche Rarität. In Europa wird sie an diesem Wochenende wohl ein letztes Mal zu sehen sein, denn die zahlungskräftigsten Sammler sitzen in Asien. Und zwei bis vier Millionen Euro sollte man schon übrig haben. Marc Hoch

Minimal Music von John Adams

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Der amerikanische Komponist und Pulitzer-Preisträger John Adams gehört zu den ersten und wichtigsten Vertretern der Minimal Music, die in den 70er-Jahren ein neues Klangbild etablierten. Es beruhte weitgehend auf starren Pattern, die schier endlos wiederholt und mosaikartig zusammengesetzt wurden oder in minimalen Verschiebungen einen ewig erscheinenden Klangstrom erzeugten. Ähnlich wie in der indonesischen Gamelan-Musik oder bestimmten Formen des Jazz soll so eine Art musikalischer Trance entstehen. Allerdings ist die Minimal Music strenger gebaut und stellt gleichsam ihre Struktur als musikalischen Inhalt aus.

John Adams war das nicht genug. Er reicherte das klingende Gerüst an mit expressiven Orchesterfarben, eingeflochtenen Melodien und in seinen Opern mit ariosem Gesang. Generell legt er großen Wert darauf, den Hörer nicht in die Leere eines drogenfreien Trancezustands zu zwingen, der durch schiere Penetranz eines sich wiederholenden Motivs in minimaler Variation entsteht. Seine erste große Oper "Nixon In China" - 1987 in der Regie von Peter Sellars in Houston uraufgeführt - entfaltet auf der Basis dieser Minimal Music einen bunten musikalischen Kosmos und kann so dieser grundsätzlich antidramatischen Musik theaterhafte Züge verleihen. In einer seiner ersten prominenten Minimal-Music-Kompositionen mit dem deutschen Titel "Harmonielehre" bezieht sich Adams im zweiten Teil "Amfortas Wound" nicht nur im Titel deutlich auf die Klangwelten Richard Wagners, sondern nimmt sogar konkrete Melodieführungen aus dessen Parsifal auf.

Es scheint mitunter der Versuch zu sein, dessen Orchesterklang-Revolution fortzuführen und gleichzeitig auf ein konzentriertes Minimum einzukochen. Das Orchester bei Adams ist wesentlich kleiner besetzt, durchsichtiger, und auch reduziert in den Möglichkeiten, allein aus Klang eine tragende Dramatik zu erzeugen. Man kann dies nun alles sehr genau im Einzelnen nachverfolgen in der umfangreichen Edition "John Adams Collected Works" (Nonesuch/Warner), die Aufnahmen aus vier Jahrzehnten umfasst, darunter 42 Ersteinspielungen, 31 Solo-Alben, sechs Opernproduktionen und vieles Preisgekrönte mehr. Helmut Mauró

Familientreffen: Der Comic-Salon Erlangen

Fünf Favoriten der Woche: Gute Aussicht: Paulina Stulins "Bei mir zuhause" ist für den Max-und-Moritz-Preis nominiert.

Gute Aussicht: Paulina Stulins "Bei mir zuhause" ist für den Max-und-Moritz-Preis nominiert.

(Foto: Paulina Stulin/Jaja Verlag)

Die feministische Star-Zeichnerin Liv Strömquist kommt zum Publikumsgespräch, Barbara Yelin stellt ihr neues Buch vor und zwei Disney-Zeichner versprechen Einblicke in ihre Arbeit. Vom 16. bis 19. Juni findet der Comic-Salon Erlangen statt, das wichtigste Comicfestival im deutschsprachigen Raum. Die Comic-Familie trifft sich hier nach der coronabedingten Flucht ins Digitale vor zwei Jahren nun endlich wieder live und mit Publikum. Unter dem Motto "Zeich(n)en fürs Impfen" hatten renommierte Zeichner seit Dezember zum Boostern aufgefordert, damit dieses Festival (und andere) tatsächlich stattfinden könne.

Über die wichtigsten Entwicklungen auf dem deutschen Markt für grafische Literatur sprechen Verleger bei der traditionellen "Elefantenrunde". In diesem Jahr wird es um die Zuwächse im Buchhandel gehen und die stark gestiegenen Produktionskosten durch Papierknappheit und explodierende Energiepreise. Auf dem Podium sitzt auch Dirk Rehm, der das Herbstprogramm seines Reprodukt Verlags mit einer Crowdfunding-Aktion mitfinanziert hat.

Kern des Festivals sind aber die Ausstellungen. Sie beschäftigen sich in diesem Jahr mit "Vorbilder*innen - Feminismus in Comic und Illustration". Es gibt eine Will-Eisner-Retrospektive, das Werk von Catherine Meurisse ist zu sehen, außerdem zeigen Anna Haifisch, Liv Strömquist und Birgit Weyhe ihre Arbeiten. Längst prägen gerade im deutschsprachigen Raum Frauen die Comic- und Graphic-Novel-Szene. Besonders interessant verspricht "Aber ich lebe" zu werden - drei gezeichnete Geschichten von Miriam Libicki, Barbara Yelin und Gilad Seliktar nach den Erzählungen von Holocaustüberlebenden.

Zum ersten Mal in Erlangen dabei ist außerdem der kleine, feine Berliner Jaja Verlag mit einer Ausstellung von Skizzen und Zeichnungen seiner Künstler und Künstlerinnen. Darunter ist auch Paulina Stulin, deren Comic "Bei mir zuhause" für den Max-und-Moritz-Preis 2022 nominiert ist. Martina Knoben

Anna Haifisch in Leipzig

Fünf Favoriten der Woche: Hat seinen Ursprung in der Gänsegeiervoliere des Leipziger Zoos: Anna Haifischs "The Artist".

Hat seinen Ursprung in der Gänsegeiervoliere des Leipziger Zoos: Anna Haifischs "The Artist".

(Foto: Museum der bildenden Künste Leipzig)

Weil hier obendrüber schon kurz von den Arbeiten der Anna Haifisch die Rede war: Man kann die zurzeit nicht nur im Comic-Salon Erlangen bewundern, im Museum der bildenden Künste Leipzig läuft noch für ein paar letzte Wochen (nämlich bis 3. Juli) eine große, sehr fantastische Einzelausstellung der Zeichnerin, deren Bildgeschichten längst als Äquivalent zu Max Webers "Politik als Beruf" gelten können, nur in Bezug auf bildende Künstler und neben den tiefen sozialpsychologischen Wahrheiten eben auch mit Charme und Komik. Dafür war jetzt mal der Kunstpreis der Leipziger Volkszeitung fällig - und in der Ausstellung dazu eine Story über frühkindliche Dauerbesuche im Leipziger Zoo sowie die Offenbarung, dass Haifischs Erfolgsfigur "The Artist" seinen Ursprung in der dortigen "Gänsegeiervoliere" haben könnte. Peter Richter

Kate Bush: "Running Up That Hill"

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Da war diese Stimme. Glockenhell, unerschrocken. Eine Stimme, in der immer auch mitschwang: "Meine Lautstärke geht dir auf die Nerven? Dein Problem!" Und dann war da dieser Beat, treibend, bedrohlich, ein Herz kurz vorm Überspringen. Kate Bush veröffentlichte mit "Running Up That Hill (A Deal with God)" 1985 einen ihrer genialsten Songs. Er ist von einer unangepassten Furchtlosigkeit, die Künstlerinnen der Zeit kaum zugestanden wurde. Kate Bush ebnete damit den Weg für wichtige Songschreiberinnen der 90er- und Nullerjahre wie Björk und Tori Amos, die keine Lust hatten, gefällig herumzusäuseln. Jetzt taucht "Running Up That Hill" in der neuen Staffel "Stranger Things" auf, weshalb das Lied in mehreren Ländern wieder in den (Streaming-)Charts ist - und die Teenager dazu ausflippen. Zu Recht. Christiane Lutz

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