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Faszination Rock-Festival:"Backstage ist arschlangweilig!"

sueddeutsche.de: Hat MTV eigentlich ein Mitspracherecht bei den präsentierten Festivals?

Moderator Kavka im 'MTV News'-Studio: "Ich habe überhaupt kein Problem vor Kameras rumzuturnen"

(Foto: Foto: MTV)

Kavka: Das machen schon vor allem die Bookingfirmen. Aber wir arbeiten da eng zusammen, so dass das für alle Beteiligten in Ordnung geht. Für die großen Bands ist es ja auch nicht ganz unwichtig, dass wir das Festival präsentieren und die Konzerte der Headliner live übertragen. Dieses Jahr bei Rock am Ring mit Depeche Mode, Metallica und Guns N'Roses...

sueddeutsche.de: ...wenn sie denn kommen...

Kavka: Ja, das glaube ich auch erst, wenn die auf der Bühne stehen. Jedenfalls sind das schon wieder richtig gute Bands dieses Jahr.

sueddeutsche.de: Kann man den die Atmosphäre eines Festivals überhaupt mit der Kamera einfangen?

Kavka: Die Toten Hosen waren Headliner bei Rock am Ring letztes und vorletztes Jahr. Wir haben beide Auftritte bei MTV live übertragen. Und wenn die Hosen bei Rock am Ring spielen, ist die Hölle los. Ich stand während der Show im Publikum- das war schon ein beeindruckendes Schauspiel. Dann hab ich mir die Wiederholung des Konzerts Tage später im Fernsehen angeschaut.

sueddeutsche.de: Und, enttäuscht?

Kavka: Ganz im Gegenteil: Ich muss sagen, wir haben das schon gut hinbekommen mit den Kränen und Dollys und den vielen Handkameras. Das geht aber nur, wenn es vor der Bühne voll ist. Die Campingplatz-Reportagen können den Vibe natürlich nicht einfangen.

sueddeutsche.de: Was hat sich geändert in den letzten 20 Jahren Festivals in Deutschland?

Kavka: Auf jeden Fall sind die Festivals professioneller, kommerzieller und damit auch teurer geworden. Nichtsdestotrotz hat sich in den letzten zehn Jahren eine ganz eigene Festivalkultur entwickelt. Früher sind die Leute nur dann auf ein Festival gegangen, wenn ihre Lieblingsbands gespielt haben.

Mittlerweile gibt es aber so einen weitverbreiteten Festival-Tourismus, der sich darauf gründet, das Ganze als Event zu verstehen. Wenn dann zwei, drei Bands spielen, die man so okay findet, überlegt man sich jetzt durchaus auf ein Festival zu gehen. Gegen alle anderen Tendenzen im Musik-Business geht es bei den Festivals noch aufwärts.

sueddeutsche.de: Das Festivalfeeling lässt sich eben nicht einfach brennen...

Kavka: Absolut.

sueddeutsche.de: Noch eine Frage: Wären Sie eigentlich gerne selbst auf der Festival-Bühne? Als Musiker, meine ich.

Kavka: Ich habe ja ganz früher auch mal in Bands gespielt. Das ging natürlich nie über Auftritte vor 200, 300 Leuten...

sueddeutsche.de: Sie waren nicht etwa Sänger, oder?

Kavka: Doch, doch. Ich war der Frontmann. Selbst in so einem kleinen Rahmen war es ein prima Gefühl auf der Bühne zu stehen und die Leute jubeln zu sehen.

Wenn man dann heute so einen charismatischen Frontmann wie Dave Gahan auf der Bühne sieht und alle flippen aus, dann hat man schon den Wunsch, wenigstens 'ne Sekunde mit ihm zu tauschen. Auf der anderen Seite bin aber gerade ich ein Typ, der nicht so wahnsinnig gerne in der Öffentlichkeit steht.

sueddeutsche.de: Wie?!

Kavka: Generell ist es so, dass ich mich gar nicht gerne draußen bewege - da wird man dann immer erkannt. Ich bin schon lieber für mich und habe meine Ruhe. Ich muss mich von Berufswegen hin und wieder auf eine Bühne stellen, um Bands anzusagen oder eine Veranstaltung zu moderieren. Das ist mir aber immer ein ganz großes Grauen. Ich hab überhaupt kein Problem vor Kameras rumzuturnen. Aber sobald ich so ein unmittelbares Feedback vom Publikum bekomme, rutscht mir schon das Herz in die Hose.