Jugendliteratur:Rasende Herzen

Lesezeit: 2 min

Die Rollenbilder der Fantasy erfüllen mit starken Frauen und schönen Männern die Träume jugendlicher Leserinnen

Von Roswitha Budeus-Budde

Kaya senkte ihr Schwert und lächelte zurück. Sein Grinsen wurde noch breiter, während sein Blick liebevoll über ihr Gesicht und ihre Lippen glitt, . . . Was ist, fragte sie atemlos, während ihr Herz raste, als wollte es aus ihrer Brust springen." Die Leserinnen ahnen längst, warum das Herz rast, denn die Buchbloggerin Beril Kehribar weiß, was sie ihrer großen Community in ihrem Romantasy - Debut "Schattenthron. Erbin der Dunkelheit" schuldet: Emotionen, die das jugendliche Paar in seiner fantastischen Welt - hier mit Elfen, Halbelfen und Menschen - von Gefahr zu Gefahr mehr zusammenbringt. Und da das glückliche Ende erst in der Fortsetzung eintreffen wird, hat die Autorin einen besonderen Cliffhanger am Schluss eingebaut - der Held, eben unter schauerlichen blutigen Ritualen vor dem Tod gerettet, erwacht als Vampir und will seiner Liebsten gleich an den Hals.

Es findet sich auch Fantasy, die nicht die Magie als Klebstoff für die absurdesten Handlungsabläufe nutzt.

Diese Szene erinnert daran, dass viele inzwischen erwachsene Leserinnen, auch die heutigen Nachwuchsautorinnen fantastischer Literatur, mit der "Biss"-Serie von Stephenie Meyer im literarischen Vampirmilieu aufgewachsen sind. Fast in jedem Verlagsprogramm sind nun Imitate zu finden. Mit "Impress", dem neuen Imprint von Carlsen, wird dazu direkt die selfpublisher - community angesprochen. Ein weiteres großes Vorbild sind Suzanne Collins "Tribute von Panem". Die Heldinnen der aktuellen Fantasy- und Romantasy-Titel wirken daher wie Abziehbilder von Katniss Everdeen. Sie zeigen Stärke, sind ausgezeichnete Kämpferinnen - oft nach brutaler Ausbildung -, haben einen starken eigenen Willen und zeichnen sich durch große soziale Empathie aus. Ihre Schönheit führt zu seitenlangen hymnischen Beschreibungen von wundervollen Roben, getragen bei spektakulären höfischen Auftritten. Schmückende Adjektive zählen zum literarischen Grundstock, auch wenn manche Heldin am Anfang ihrer Geschichte - ein spannendes Moment der Handlung - , eher einem hässlichen Entlein gleicht.

Natürlich spielt der Held in dieser Traumwelt, die auch von Bloggerinnen und Influencerinnen medial inszeniert wird, eine wichtige Rolle. Als Kopie des Vampirs Edward in "Biss", zeichnet er sich durch eine demonstrativ beschriebene Männlichkeit aus: jeder, aber auch jeder, hat einen Waschbrettbauch, starke Oberarme, ein markantes Profil und strahlende Augen.

Unter den Novitäten in diesem Frühjahr findet sich auch Fantasy, die nicht die Magie als Klebstoff für die absurdesten Handlungsabläufe nutzt, und mit trivialen literarischen Mustern die Leserinnen abspeist. Dazu zählt Elisabeth Lim, die in "Die sechs Kraniche" (Carlsen) mit der Geschichte der Kaisertochter Shiori, japanische Erzähltradition und europäische Märchen verbindet. In Saskia Louis magischem Abenteuer, "Die Lügendiebin", (Ueberreuter) bekämpft eine junge Frau eine brutale Diktatur. Und in ihren vier Bänden "Die Spiegelreisende" (Insel Verlag) hat Christelle Dabos eine Welt geschaffen, in der Literatur und fantastisches Erzählen die Faszination und die Bedeutung dieses Genres überzeugend darstellt. "Der Literaturkanon der Schule hat mich so frustriert" ,meinte einmal eine Germanistikstudentin, "dass ich ohne die Fantasy das Lesen aufgegeben hätte.

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