Ob Asterix und Obelix dieses Mal bei der Verleihung der Jugendliteraturpreise hinter den Kulissen für Unruhe sorgten? Denn trotz strikter Geheimhaltungspflicht wurde einen Tag vor der Veranstaltung auf der Messe in Frankfurt schon bekannt, dass mit dem Preis für das Lebenswerk Gudrun Penndorf ausgezeichnet wurde, die seit den Sechzigern unzählige Comics ins Deutsche übertragen hat, von Asterix bis Lucky Luke. Am Abend der Verleihung schilderte sie, wie es ihr gelang, das französische Original so zu übersetzen, dass es in Deutschland im internationalen Vergleich die höchsten Auflagen hat. "Vielleicht bekomme ich dafür auch mal in Frankreich einen Preis", meinte sie vor den 250 Gästen.
Mit Jugendliteratur müssen wir Brücken bauen für Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit, ein arbeitsamer und mühsamer Weg."
"Die Kinder- und Jugendliteratur ist das Wachstumssegment der Branche", lobte Karin Schmidt-Friderichs, die Vorsteherin des Börsenvereins des deutschen Buchhandels, Verlage und Buchhandel. "Sie haben es geschafft, auf die Herausforderungen durch neue Medien wie Netflix und andere schnell und kreativ zu reagieren, um die Menschen zu Büchern zu bringen und den Dialog in der Gesellschaft zu fördern". Von der Jugend kommen, was die Zukunft des Buches angeht, offenbar kräftige Impulse. Optimismus war also bei den Jugendbuchverlagen zu spüren - 250 nationale und international waren mit Ständen oder in Arbeitsforen vertreten - und bestätigten, dass sie gut durch den Lockdown gekommen waren.
"Das liegt natürlich an der Gruppe der jugendlichen Vielleser, die zugenommen hat", meinte die Staatssekretärin Juliane Seifert, die an Stelle von Familienministerin Christine Lambrecht die Preise verkündete. Aber sie musste auch bestätigen, dass die Zahl der kindlichen Nichtleser zunimmt. "Wir leben in einer Zweiklassengesellschaft. Mit Jugendliteratur müssen wir Brücken bauen für Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit, ein arbeitsamer und mühsamer Weg."
Die fünf Preistitel in diesem Jahr können fürs Lesen, für Bücher begeistern, sie geben Orientierung in einer immer komplexer werdenden Welt - sie brauchen aber die Öffentlichkeit und Erwachsene, die sie vermitteln. Für Kinder im Vorschulalter zeigt der Illustrator Sydney Smith in seinem Bilderbuch "Unsichtbar in der großen Stadt" (Aladin) für einen kleinen Jungen und seine geliebte Katze einen Weg nach Hause in virtuos geheimnisvollen Bildern. Während im Kinderbuch "Irgendwo ist immer Süden" (Woow Books) von Marianne Kaurin das Thema Mobbing und Ausgrenzung für 10 - bis 12jährige Kinder in einer hippen Sommergeschichte mit einer besonderen Freundschaft eine hoffnungsvolle Wende nimmt. Hoffnung wie sie die Graphic Novel "Sibiro Haiku' (Baobab) von Jurga Vile und Lina Itagaki zeigt, in der eine Gruppe Litauer 1941 dank ihres Zusammenhalts in Sibirien überlebt. Der Sachbuchpreis ging an Christoph Drösser "100 Kinder" (Gabriel), ist ein statistisches "Gedankenexperiment", das für Leser ab 10 Jahre von Kindern auf allen Erdteilen erzählt. In Zeiten von Fake News und Querdenkern gibt das Preisbuch der Jugendjury "After the Fire" von Will Hill (Hanser, dtv) ein literarisches Beispiel, wie schwierig es ist, sich von Ideologien und Verschwörungstheorien zu befreien.
Optimismus war also reichlich vorhanden, trotz Pandemie und neuer Medien. Was der Branche im Moment eher Sorgen macht ist die Papierknappheit.