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Fall Böhmermann:Böhmermann, das war wohl ein bisschen zu viel Meta

Mit seinem Erdoğan-Gedicht entlarvt Böhmermann nicht nur den türkischen Premier oder die deutsche Regierungspolitik - sondern auch das Publikum.

Alles geht durcheinander in dieser Debatte. Im Fall Böhmermann haben sich die Grenzen dessen, worüber wir sprechen, längst verwischt. Von rassistisch-beleidigenden Klischees über Satire, von der deutsch-türkischen Flüchtlingspolitik bis hin zum Schah-Paragrafen. Selten gab es einen so vielschichtigen Diskurs, der vor allem eines bloßstellt: uns selbst. Aber der Reihe nach.

Mit seinem Erdoğan-Gedicht habe Jan Böhmermann ein Hybrid geschaffen, einen Zwitter aus Satire und Schmähkritik, erklärte der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen am Sonntagabend bei Anne Will.

Da war zunächst das Gedicht als solches, das auf niedrigstem Niveau mit platten Klischees über Erdoğan und alle Türken um sich wirft. Viele halten das berechtigterweise für rassistisch. Selbst Fans waren ratlos. Die einen meinten, das sei unter Böhmermanns Niveau, die anderen hielten ihn für einen schlechten Verlierer, hatte "Extra 3" den "Boss vom Bosporus" doch kurz zuvor schon erfolgreich vorgeführt.

Aber Böhmermanns Ansatz war ein anderer - er hob das Gedicht mit seinem immer wieder vorgebrachten "Eigentlich darf man das ja nicht sagen" auf die Metaebene, bettete es in einen größeren Kontext mit dem übergeordneten Zweck, aufzuzeigen, was Satire eigentlich darf. Und was nicht. Allein, auf diese Metaebene folgen ihm nicht alle.

Jan Böhmermann "Guckt Erdoğan deutsches Fernsehen?"
"Anne Will" zum Satire-Streit

"Guckt Erdoğan deutsches Fernsehen?"

Der TV-Talk von Anne Will zeigt: Es geht in der Debatte nicht um Böhmermann oder die Grenzen der Satire, sondern um die deutsche Haltung in der Flüchtlingsfrage.   TV-Kritik von Julian Dörr

Wer sich in diesen Tagen über Jan Böhmermann unterhält, merkt rasch, wer auf welcher Ebene steht. Nach dem Motto: Ist man noch bei dem Gedicht hängengeblieben oder schon eine Ebene weiter, kann man Böhmermann auf seinem Weg, das viel größere Dilemma aufzuzeigen, folgen? "Sage mir, wie du es mit Böhmermann hältst, und ich sage dir, wie du funktionierst, welche Auffassung von Satire oder Schmähkritik, von Kunstfreiheit oder Satirefreiheit dir zu eigen ist", konkretisiert Pörksen im Deutschlandfunk. Mit anderen Worten: Was für den einen Schmähungen sind, ist für die anderen Satire.