Ex-Bondgirl Gemma Arterton "Ich bin doch gar nicht schön genug"

Sie habe erst lernen müssen, dass sie okay sei, erzählt die Britin Gemma Arterton, 28, die als Bondgirl berühmt wurde

(Foto: Imago Stock&People)

Sie war schon Bondgirl, Armbrustschützin und malträtiertes Entführungsopfer. In ihrem neuen Film "Gemma Bovery" spielt Gemma Arterton eine Frau, die sich aus Langeweile in Affären stürzt. Im Interview erzählt die 28-Jährige, was sie mit der Filmfigur gemeinsam hat.

Von Laura Hertreiter

Sie sei nicht wie andere Schauspielerinnen, sagt Gemma Arterton, 28, über sich. Nicht so zierlich, nicht so zurückhaltend. Das erste, was im Londoner PR-Büro ankommt, ist ihr lautes Lachen auf dem Flur. Zum Interview setzt sie sich, superschlank, sommersprossig, olivgrüne Hose, weiße Bluse, und legt ihren Zopf und erste Antworten sorgfältig zurecht. Nach drei Fragen liegt sie quer im Ledersessel, die Füße baumeln in roten Sandalen über der Armlehne.

Sie ist gekommen, um über ihren neuen Film zu sprechen, eine französische Tragikomödie, in der es um einen Bäcker (gespielt von Fabrice Luchini) geht, für den sich die Grenzen zwischen Fiktion und Wirklichkeit auflösen. In seiner neuen Nachbarin Gemma Bovery - sie gibt dem Film auch seinen Titel - glaubt er, die Hauptfigur aus Gustave Flauberts Roman "Madame Bovary" zu erkennen - zumal sie sich, wie die Romanfigur, auf eine fatale Affäre einlässt. Mit der Britin im Film hat Gemma Arterton mehr als nur den Vornamen gemeinsam. "Diese Neugier, diese Gier nach dem Leben, verbindet mich mit der Gemma aus dem Film. Und natürlich ihr Sinn für Sinnlichkeit."

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"Erfindungen des englischen Boulevards"

Vor sechs Jahren spielte die Britin das rothaarige Bondgirl Strawberry Fields an der Seite von Daniel Craig. Ihre erste Reaktion, als sie sich gegen 1500 andere Schauspielerinnen durchgesetzt hatte: "Ich bin doch gar nicht schön genug!" Nach dem Filmstart druckten britische Revolverblätter große Schlagzeilen, sie habe ein italienisches Bond-Double geheiratet. "Totaler Bullshit", sagt sie und seufzt. "Ich habe geheiratet, richtig. Einen Italiener, richtig. Aber dass er Bond-Double sein soll war eine Erfindung des englischen Boulevards." Davon gebe es eine Menge, "auch sehr fantasievolle". Etwa dass mit sechs Fingern an jeder Hand geboren sein soll oder mit einem zerknitterten Ohr, das zurechtoperiert wurde.

Seit ihrer Rolle als Bondgirl spielte sie in großen Blockbustern wie "Prince of Persia" und "Hänsel und Gretel: Hexenjäger", stand aber immer wieder auch für kleinere Independent-Produktionen vor der Kamera. "Ich wollte nicht festgelegt sein und immer wissen: Das kann ich auch. Und ich wollte überraschen. Als ich vor fünf Jahren in 'Die Entführung der Alice Creed' ein malträtiertes Entführungsopfer gespielt habe, waren viele regelrecht erschrocken."

Für "Gemma Bovery" zog Arterton für einige Monate von London nach Paris, um Französisch zu lernen. Vorher habe sie nicht viel mehr als "Bonjour" und "Merci" gekonnt, erzählt sie. Die Regisseurin, Anne Fontaine, wollte sie trotzdem für die Rolle. "Beim Vorsprechen ließ sie mich eine Seite französischen Text so vorlesen, wie es meiner Meinung nach eine Französin tun würde. Ich habe mir die Zunge verknotet, aber sie sagte: Nicht schlecht." Während der Dreharbeiten in Frankreich lernte Arterton ihren neuen Freund kennen, den Regisseur Franklin Ohanessian. Seiher lebt sie in London und Paris.

Das gesamte Interview lesen sie in der Print- und Digitalausgabe der Süddeutschen Zeitung vom 19. September.

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