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Event:Überraschungsei

In Füssen gibt es zu Ostern ein Passions-Spektakel

Endlich ist klar, warum Ostern als Fest nicht so beliebt ist wie Weihnachten. Es fehlt an der richtigen Einstimmung. Bisher gäbe es kein Pendant zu den Christkindlmärkten, mit denen sich die Bevölkerung auf das Fest vorbereite, sagt Andreas Munder. Doch dieser Missstand wird in Ludwigs Festspielhaus Füssen demnächst behoben mit "Passion 20:20", selbstverständlich englisch ausgesprochen. Kein simples Passionsspiel wie in Oberammergau, sondern eine "Weltpremiere" mit einem Genre übergreifenden Mix aus Theater, Video-Mapping, Musik, Spezialeffekten, Tanz, Luftakrobatik und 3-D-Lasershow.

Auf jeden Fall ist das Spektakel sehr immersiv, ein Begriff, den die Verantwortlichen auf der Pressekonferenz im Foyer des Festspielhauses ganz schön strapazierten, um das Eintauchen in die virtuelle Welten der 75-minütigen Bühnenshow zu beschreiben. Die inszenierte Vereinnahmung beginnt bereits im Foyer. Andreas Munder, ehemals Chef eines Gartenbaubetriebs, hat in Stuttgart in den vergangenen Jahren bereits Erfahrung gesammelt mit der Installation eines Ostergartens. Jetzt plant er, die Altstadt von Jerusalem wieder erstehen zu lassen mit Marktständen, engen Gassen, Beduinenzelt, Olivenbäumen, Amphoren sowie einer Klagemauer mit Ritzen, in die Besucher Zettel mit Wünschen stecken können.

Bevölkert wird die Stadt von Laiendarstellern. Mehr als 100 Freiwillige hätten sich bereits gemeldet, sagt Gerhard Kehl von der Evangelischen Freikirche. Später ist sogar von 180 die Rede, die, dekorativ verkleidet, die Besucher vor und nach der Veranstaltung betreuen und die Via Dolorosa säumen.

Die erste Projektidee stammt von Ingvar Aarseth, einem gebürtigen Norweger, der als Pfarrer der Christlichen Glaubensgemeinde in Füssen lebt und bereits im Ruhestand ist. Anfangs habe er klein gedacht, sagt er, nur einen Ostergarten geplant. Aber dann redete er mit seinem alten Freund Manfred Schweigkofler über das Thema. Und der Südtiroler Kulturmanager, Regisseur und langjährige Leiter des Stadttheaters Bozen dachte größer. Daran ließ er keinen Zweifel. "Wir wagen es, völlig neu auf die Ostergeschichte zu blicken", sagte er. Nicht bloß virtuell, sondern auch mit elf Tänzern und Schauspielern, die die Ostergeschichte multiperspektivisch erzählen. Es ist zu erwarten, dass Maria Magdalena eine andere Sicht auf die Ereignisse hat als Petrus, Judas oder Pontius Pilatus. Komponist David Hüger liefert den Soundtrack, in den er auch aramäische Lieder einbaut. Christoph Grigoletti entwickelt die Kulissen aus raumübergreifenden Videobildern, nutzt als Grundlage berühmte Gemälde der Kunstgeschichte.

Die Produktion koste 500 000 Euro, berichtete Aarseth, der einen Verein gegründet hat, um das finanzielle Risiko zu schultern. Die Eintrittspreise jedenfalls werden die Summe nicht einspielen, das Ticket kosten knapp 25 Euro. "Wir wollen eben ein Volksfest gestalten", sagt Aarseth. Und man hoffe natürlich auch, dass sich die "Passion" auch künftig gut verkauft. Aber jetzt sind von 25. März an erst einmal 22 Vorstellungen geplant. Als Publikum angepeilt sind die zwischen 15- und 45-Jährigen. Aber ältere Zuschauer sind auch willkommen.

Passion 20:20, 25. März bis 5. April, Ludwigs Festspielhaus Füssen

© SZ vom 06.02.2020

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