Der Krieg in Eva Kranenburgs Roman „Freunde“ ist fiktiv, auch Zeit und Ort sind unbestimmt, was geschieht, kann immer und überall passieren. Im Zentrum: vier Jugendliche, die als Kanonenfutter verheizt werden sollen, aber zusammen desertieren. Sie verstecken sich in einem Friedhof und kämpfen auch nach dem Ende des Krieges ums Überleben: Zigaretten schnorren, Essen klauen, die Besatzer austricksen – und möglichst nicht zwischen die Fronten der Kinderbanden geraten. Die zentralen Fragen des Buchs lauten: Was heißt es, Opfer zu sein? Und was Täter? Wie geht man mit Verantwortung, Trauma, Schuld und Scham um? Warum ist es überhaupt sinnvoll, sich Abgründen zu stellen? Und vor allem: Wie geht Frieden? Für ihr Jugendbuch-Debüt schöpfte die 52-jährige Kranenburg nicht nur aus ihrer Erfahrung als Drehbuchautorin für die auf dem gleichnamigen Roman von Patrick Süskind basierende sechsteilige Netflix-Serie „Das Parfum“ (2018), sondern vor allem auch aus ihrem Hauptberuf, der psychotherapeutischen Arbeit mit Kriegstraumatisierten.
Jugendbuch„Jugendliche sind für das Extreme besonders offen“
Lesezeit: 3 Min.

Eva Kranenburg arbeitet als Psychotherapeutin mit Kriegstraumatisierten, die Erfahrungen aus dieser Arbeit fließen in ihre Drehbücher und Romane ein.
Fanny BormannEin Gespräch mit der Netflix-Drehbuchautorin, Psychotherapeutin und Schriftstellerin Eva Kranenburg über ihren Roman „Freunde“, Triggerwarnungen – und die Frage, was es wirklich heißt, junge Menschen als Leser ernst zu nehmen.
Interview von Christine Knödler
