Während des Ersten Weltkriegs blieb Aby Warburg von Depressionen geplagt zu Hause und verwandelte sein Heim in ein Observatorium für Kriegspropaganda. Er plante, sein Material in einem Lügenmuseum auszustellen. Als der Krieg endete, erlitt er einen Nervenzusammenbruch, das Projekt wurde nie verwirklicht. So ein Lügenmuseum ist eine tolle Idee, dieser Text nun ist eine Hommage an diesen Versuch, eine Welt zu verteidigen, die nicht von Lügen verseucht ist – oder zumindest eine Welt, die zwischen Wahrheit und Lüge zu unterscheiden weiß. Eine Lüge muss kein absichtsvolles Unterdrücken der Wahrheit sein, sie muss auch nicht an die Stelle der Wahrheit gesetzt werden, wie es in der NS- oder stalinistischen Propaganda der Fall war. Sie kann sich einfach in das Denken einschleichen, durch die routinemäßige Verwechslung von Fakten mit Meinungen und von Meinungen mit Fakten.
Illouz-Rede zum Hamburger Aby-Warburg-PreisEure Fast-Food-Argumente
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Der Nahostkonflikt sei nicht kompliziert, behaupten einige sonst differenzierte Geister. Ihre Schlüsse verkennen, dass gerade Komplexität die Bedingung für Wahrheit und Frieden ist.
Gastbeitrag von Eva Illouz
