Europas Mentalitäten:Bulgaren ins Ballett

Hartes Kopf-an-Kopf-Rennen von Irrelevanz und Absurdität: Eine Studie zur Bildung in Europa zeigt - Österreicher lesen keine Bücher und Schweden singen, wenn sie nicht gerade basteln. Von Alex Rühle

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Hartes Kopf-an-Kopf-Rennen von Irrelevanz und Absurdität: Eine Studie zum Bildungsverhalten in Europa zeigt - international gegessen wird gerne, gelesen lieber nicht. Von Alex Rühle

Das Eurobarometer ist eine in regelmäßigen Abständen von der Europäischen Kommission in Auftrag gegebene Meinungsumfrage in den Ländern der EU. Pünktlich zur Frankfurter Buchmesse nun wurden rund 1000 Menschen in jedem der 27 Länder zu ihren kulturellen Gewohnheiten, Praktiken und Werten befragt. Ergebnis: Essen ja, lesen nicht so. Kultureller Austausch findet der Studie zufolge vor allem beim Italiener um die Ecke statt: 45 Prozent der Europäer...

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...gehen gerne ausländisch essen; aber nur sieben Prozent lesen gerne ein ausländisches Buch. Woraus die Studie folgert, dass nicht nur die Liebe, sondern auch der...

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...internationale Austausch vor allem durch den Magen geht. Ehrlich gesagt, ist das so wenig überraschend wie die Tatsache, dass 88 Prozent der Befragten Kulturaustausch für wichtig halten und fast eben so viele behaupten, Kultur sei ein wichtiges Element in ihrem Leben. Schon interessanter ist es dagegen, sich die einzelnen Länder im Vergleich anzuschauen:

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Gut, auch hier liefern sich bei einigen Ergebnissen Irrelevanz und Absurdität ein hartes Kopf-an-Kopf-Rennen. Wussten Sie etwa, dass neunzig Prozent der Bulgaren im vergangenen Jahr keiner einzigen Ballettaufführung beigewohnt haben?

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Richtig spannend aber wird es, wenn man sich die ja meist recht unauffällig am Rand Europas vor sich hin lebenden Malteser anschaut. Während 56 Prozent von ihnen behaupten, im vergangenen Jahr sowohl regelmäßig ausländische Zeitungen als auch ausländische Bücher gelesen zu haben, sagen gleichzeitig 54 Prozent der Malteser, dass sie in der ganzen Zeit kein einziges, also weder ein aus- noch ein inländisches Buch gelesen haben. Heißt das, es gibt 110 Prozent Malteser?

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Außerdem scheint, was das Nichtlesen angeht, der Tourismus die von ihm heimgesuchten Länder geistig auszutrocknen: Besagte 54 Prozent der Malteser, jeder zweite Portugiese und 43 von 100 Zyprioten bekennen, sie hätten im vergangenen Jahr kein einziges Buch gelesen. Das ist insofern pikant, als alle drei Länder zu großen Teilen vom Fremdenverkehr leben. In Malta macht der Tourismus vierzig Prozent des Bruttosozialprodukts aus. Ergo: Reisen bildet. Bleiben nicht. Wer das ganze Jahr über Touristen zu verpflegen hat, kann sich nicht auch noch um Bücher kümmern. Portugiesen und Malteser singen auch kaum und spielen so gut wie nie Theater. Vielleicht denken sie freilich auch nur, meiner Treu, was für Klapskallifragen, ich habe hier einen Acker zu bestellen und soll stattdessen ankreuzen, wie oft ich Theater gespielt habe.

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Die Österreicher imponieren durch ihre erfrischende Ehrlichkeit: Nur jeder zehnte sagt, dass er sich für Kultur interessiert, und 12 Prozent geben offen zu, dass sie nicht das geringste Interesse an welcher Kultur auch immer haben. Die konsensorientierten...

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...Deutschen schwimmen in allen Fragen im Mittelfeld mit: 18 Prozent geben zu, im vergangenen Jahr kein einziges Buch gelesen zu haben. Am meisten...

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...lesen übrigens die Schweden, die ohnehin bei diesem Test so blendend abschneiden, als sei das ganze Land eine gutgelaunte Volkshochschule, fast jeder bastelt und fotografiert, vierzig Prozent singen. 58 Prozent sagen, sie hätten ein sehr erfülltes Leben. Und momentan vergeben sie auch noch täglich ein bis zwei Nobelpreise.

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Text: SZ v. 10.10.2007)

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