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Europa-Premiere des "Lollapalooza"-Festivals:Saftige Monopolrendite

Eine Aussage, in der sich Pragmatismus und Realitätsverlust die Hand zu reichen schienen, kosteten die Tickets doch zwischen 70 und 500 Euro und hatten die Organisatoren doch noch wenige Minuten zuvor erhebliche organisatorische Mängel eingeräumt, in deren Folge Bilder von rekordverdächtigen Warteschlangen vor WCs in den sozialen Netzwerken verbreitet worden waren.

Ganz abgesehen davon, dass Live Nation dafür kritisiert wird, sein Marktmonopol gerade dafür zu nutzen, die Ticketpreise in den USA immer weiter in die Höhe zu schrauben.

"Wir sind alle eine Familie", jubelte hingegen Farrell und hob zu einer Rede an, in der er die Segnungen seines Festivals mit "Manna" verglich, mit jenem Brot also, das nach biblischer Überlieferung einst über den Israeliten in der Wüste vom Himmel fiel und sie vor dem Verhungern bewahrte.

Die darüber hinaus anwesenden Offiziellen nahmen es hinter ihren Sonnenbrillen mit Grinsen zur Kenntnis. Zugegeben, das Problem mit den Schlangen bekamen die Organisatoren über Nacht in den Griff. Und auch das umfangreiche familienfreundliche Angebot an kindgerechten Konzerten und Aktivitäten, "Kidzapalooza" genannt, erwies sich als sinnvolle Ergänzung. Und doch machte sich die Ahnung breit, dass etwas faul ist am Lollapalooza-Zirkus.

Sehnsüchtiger Blick auf den Rosinenbomber

Vielleicht hat auch Stuart Murdoch das gespürt, der Sänger der schottischen Band Belle and Sebastian, deren euphorisches Konzert am Sonntag um 17 Uhr begann. Vielleicht hatte ihn zwischendurch auch die Nachricht von der Wiedereinführung der Kontrollen an den deutschen Grenzen erreicht - dabei hatte er doch gerade noch zwischen zwei Songs bekannt, sich für die britische Flüchtlingspolitik zu schämen, und Deutschland als Vorbild gefeiert.

Jedenfalls blickte Murdoch am Ende seines Auftritts, um 18 Uhr, zum silbernen Rosinenbomber in der Mitte des Festivalgeländes und raunte: "Damit würde ich jetzt am liebsten direkt nach Hause fliegen."

Das Lollapalooza wird im nächsten Jahr wieder nach Berlin zurückkommen. Wer in diesem Jahr dabei war, soll einen Nachlass von 20 Prozent auf die Tickets bekommen. Wie hoch die Preise dann sein werden, wurde allerdings noch nicht bekannt.