Europa-Premiere des "Lollapalooza"-Festivals Manna über Berlin

Teenager beim Auftritt von DJ Martin Garrix am Sonntagabend beim Berliner "Lollapalooza"-Festival. Auf den anderen Bühnen spielten "Muse" und "Tame Impala".

(Foto: Clemens Bilan/Redferns)

Das "Lollapalooza"-Festival ist in den USA Kult. Am Wochenende landete es erstmals in Europa. Der Hype war auch hier groß, aber es war eine zwiespältige Premiere.

Von Ralf Krämer, Berlin

Eine Douglas C-54 Skymaster steht silbern glänzend auf dem Rollfeld des ehemaligen Flughafens Berlin-Tempelhof. Die viermotorige Propellermaschine der US-Armee gehörte zu den "Rosinenbombern", die 1948 und 1949, während der Berlin-Blockade durch die Sowjetunion, die Stadt mit allem Überlebenswichtigen versorgten.

Dieses "Arbeitspferd der Berliner Luftbrücke", wie es auf einer Infotafel genannt wird, fand sich am vergangenen Wochenende zwischen "Funfairs", "Foodcourts" und diversen "Stages" wieder - zwischen Zirkuszelten, Konzertbühnen, Bier- und Imbissbuden also, an und in denen 45 000 Besucher die erste Landung des amerikanischen Musikfestivals "Lollapalooza" auf europäischem Boden feierten.

Gleichwohl kaum jemand aus dem Stand den Namen korrekt aussprechen kann, eilt dem Lollapalooza ein legendärer Ruf voraus, der in der ersten Phase seiner Geschichte wurzelt.

Der Sänger Perry Farrell hatte das Festival 1991 eigentlich als Abschiedstournee seiner Band Jane's Addiction organisiert. Deren Alternative-Rock galt als stilbildend für den damals gerade aus dem Untergrund hervorkriechenden Grunge.

Zu einer Zeit, als auf deutschen Festivals das Rockpublikum die Fantastischen Vier noch mit Fäkalienbomben von der Bühne jagte, lud Farrell auch Rap-Musiker wie Ice-T schon ganz selbstverständlich ein, mit ihm ein paar Wochen durch die USA zu ziehen. Hinzu kamen Zirkus-Artisten, Künstler und Vertreter von NGOs.

Einst war hier der Underground auf dem Weg zur Massenkultur

Das Lollapalooza wurde zum Botschafter eines Lebensgefühls, das sich weit abseits des musikalischen und politischen Mainstreams befand. "Plötzlich", so registrierte damals das Branchenblatt Variety, war "die Bohème nicht mehr mit nur einer Stecknadel auf der Landkarte zu verorten", der Underground war auf dem Weg zur Massenkultur.

Wenige Wochen nach dem Ende des ersten Lollapalooza eroberte Grunge in Gestalt von Nirvanas "Smells Like Teen Spirit" die Welt.