Sachbuch über Einwanderung Smith analysiert Gründe für Migration und für die Furcht vor dem Fremden

Jüngere und besser gebildete Paare bekommen zudem auch in Afrika weniger Kinder als ihre Eltern. Und jene, die zu Ausbildung, Praktika oder Studium in Europa waren, sehen die Schattenseiten der westlichen Gesellschaft. Dass der reiche Kontinent nicht das allein selig machende Paradies ist, spricht sich herum.

Smith ist überzeugt, dass Ein- und Auswanderer das Leben in den betroffenen Ländern verändern werden. Weltanschauungen und Wertesysteme treffen aufeinander. Das Internet lässt die Welten zusammenrücken. Egal, ob die Menschen den Austausch positiv oder negativ aufnähmen, er werde das Zusammenleben beeinflussen.

Was daraus folgt, interpretiert Smith auf Basis seiner umstrittenen Zuwanderungsprognose. Er nennt mehrere Szenarien, darunter die abgeschottete "Festung Europa", offene Grenzen oder Abkommen des Westens mit Ländern des Südens, damit sie die Menschen am Auswandern hindern. Bei offenen Grenzen sieht er die Sozialsysteme in Gefahr, da er von einem großen Zulauf aus Afrika nach Europa ausgeht. Der deutsche Buchtitel "Nach Europa" kommt übrigens etwas weniger reißerisch daher als der Titel des französischen Originals: "Le ruée vers l'Europe", "Ansturm auf Europa".

Trotz aller Zweifel an Smiths Interpretationen gibt das Buch interessante Einblicke in die Gemütslage der jungen Generation Afrikas. Der Autor, Sohn eines amerikanischen Vaters und einer deutschen Mutter, analysiert mögliche Gründe für Migration und für die Furcht vor dem Fremden in den Zuwanderungsländern.

Nur wer genügend Geld hat, kann die teure Reise nach Europa antreten

Smith gibt auch Denkanstöße zu aktuellen Themen. Welches Verhalten etwa ziehen Klimawandel oder materielle Ungleichheit nach sich? Wie wirkt Entwicklungshilfe? Smith meint, dass die Hilfe Migration zunächst begünstigen könnte, wenn die Menschen in armen Ländern dadurch reicher würden. Nur wer genügend Geld hat, kann die teure Reise nach Europa antreten. Erst wenn die Afrikaner den Wohlstand von Schwellenländern erreicht hätten, würden sie zu Hause bleiben.

Der Autor blickt zurück auf die Geschichte Afrikas, um die wirtschaftliche und soziale Entwicklung des Kontinents und die Beziehung zu Europa zu erklären. Er garniert die Afrika-Kunde mit persönlichen Erfahrungen, bisweilen polemischen Interpretationen, aber auch mit philosophischen Überlegungen. So entlässt der Autor die Leser mit der Frage, wie Afrika aussehen würde, wenn es "von all der Energie profitieren würde, die jetzt aufgewandt wird, um dem Kontinent den Rücken zu kehren".

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