bedeckt München 19°

Abgelehnte Europaflaggen:Wehrhaft leuchten

Rejected, Designs for the European Flag,

Nützliches Propaganda-Instrument: Entwurf der EU-Flagge von Richard Coudenhove-Kalergi aus dem Jahr 1923

(Foto: Wirklichkeit Books)

Ein Bildband versammelt all die Entwürfe für EU-Fahnen, die 1955 vom Europarat abgelehnt wurden.

Von Felix Stephan

In dem Berliner Mikro-Verlag "Wirklichkeit Books" ist soeben ein Band erschienen, der die Entwürfe für die EU-Flagge versammelt, die im Jahr 1955 vom Europarat abgelehnt wurden. Obwohl damals alle Europäer aufgerufen waren, Vorschläge einzureichen, stammten die meisten Entwürfe von Männern aus Deutschland und Frankreich, weshalb es sich schön einfügt in die europäische Prozessordnung, dass der Siegerentwurf schließlich von Arsène Heitz stammte, einem deutsch-französischen technischen Zeichner aus Strasbourg.

Wobei es anfangs eher um die symbolische Ordnung ging. Der Herausgeber des Bandes, Jonas von Lenthe, bemängelt in seinem Vorwort, dass die Entwürfe zwar in aller Regel ein vereinigtes Europa als Friedensprojekt verstanden, gleichzeitig aber aus alter nationaler Gewohnheit die kulturelle Überlegenheit und sturmfeste Außengrenzen vor Augen hatten. In gewissem Sinne führten sie also genau jene Geisteshaltung fort, die Europa überhaupt erst in Schutt und Asche gelegt und die Europäische Union nötig gemacht hatte.

"In Europa hassen alle die EU und die Deutschen"

Der österreichische Schriftsteller Richard Coudenhove-Kalergi wollte mit seinem Entwurf (s. Abb.) zum Beispiel ein Symbol schaffen, das Europa auf dieselbe Weise als "Propaganda-Instrument" dienen könne, "wie der Stern der Sowjets dem Bolschewismus und das Hakenkreuz dem Hitlerismus" gedient habe. Der abgebildete Stern habe in keltischen und germanischen Kulturen "Weltharmonie" repräsentiert. Andere Entwürfe erinnern stark an lichtherrliche Illuminaten-Ornamentik oder mittelalterliche Heraldik. Die Vereinigten Staaten von Europa sollten wehrhaft leuchten, so stellten sich die Herren das vor.

Dieser Himmelsstürmerei stellt der Band eine zornige EU-Beschimpfung von der französischen Schriftstellerin Marie Rotkopf zur Seite, in der es zugeht wie auf einem Parteitag des französischen Linksnationalisten Jean-Luc Mélenchon: Die EU verspotte "die Bevölkerungen", die nationalen Wahlen seien "Folklore", mit der EU habe Deutschland vor allem "die Methoden des Nationalsozialismus weitergeführt und sich ein Hinterland gebaut". Rotkopfs frohe Botschaft lautet: "In Europa hassen alle die EU und die Deutschen. Es wäre gut, wenn die Deutschen das wüssten."

© SZ/fxs
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema