LiteraturKann man Kunst bestrafen?

Lesezeit: 2 Min.

Der Schriftsteller Etgar Keret wurde 1967 in Ramat Gan geboren und lebt in Tel Aviv. Zuletzt erschien von ihm 2025 die Story-Sammlung „Starke Meinung zu brennenden Themen“ (Aufbau).
Der Schriftsteller Etgar Keret wurde 1967 in Ramat Gan geboren und lebt in Tel Aviv. Zuletzt erschien von ihm 2025 die Story-Sammlung „Starke Meinung zu brennenden Themen“ (Aufbau).
imago stock&people

Wie jeder weinerliche Jude bin ich der Ansicht, dass ich diesen Scheiß nicht verdient habe: Ein paar Gedanken zu Kulturboykotten.

Gastbeitrag von Etgar Keret

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Wird eine meiner Geschichten boykottiert, fühle ich mich gleich doppelt beleidigt: Erstens persönlich, denn wie jeder weinerliche Jude bin ich der Ansicht, dass ich diesen Scheiß nicht verdient habe. Und zweitens stellvertretend für die Geschichte selbst. Denn was signalisiert denn im Kern ein literarischer Boykott, egal welcher Art? Er signalisiert doch, dass wir einem literarischen Werk einen Gefallen tun, wenn wir es lesen. Dass dieses Werk sofort das Privileg verliert, gelesen zu werden, sollte sein Autor es wagen, sich irgendwie danebenzubenehmen. Und dass wir uns zur Strafe dem Werk eines anderen zuwenden – einem strenger moralischen, einem fügsameren Autor.

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