Im Dezember 2014 bat die New York Times den kurz zuvor zu internationalem Ruhm gekommenen norwegischen Schriftsteller Karl Ove Knausgård, eine Reisereportage schreiben. Die Reise sollte in Neufundland beginnen, dort, wo die Wikinger zu Beginn des 11. Jahrhunderts eine Siedlung errichtet hatten, und bis nach Minnesota führen, den amerikanischen Staat, in dem sich während der großen Landflucht im späten 19. Jahrhundert mehrere Hunderttausend Norweger niedergelassen hatten. „A tongue in cheek Tocqueville“ hatte der Redakteur bestellt, einen „nicht ganz ernst gemeinten Tocqueville“. Letzterer, ein französischer Jurist, hatte in den Dreißigerjahren des 19. Jahrhunderts versucht, seinen Landsleuten die amerikanische Demokratie zu erklären.
Karl Ove KnausgårdDer Klempner der Weltliteratur
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In der Essaysammlung „Im Augenblick“ wühlt sich der norwegische Literaturstar Karl Ove Knausgård erneut durch die Welt und sein Inneres wie durch ein verstopftes Abflussrohr. Er will unbedingt wissen: Wie wirklich ist die Wirklichkeit?
Von Thomas Steinfeld
