Essayband "On the Mines"Hunger nach Erinnerung

Die Fernsehbilder vom jüngsten Aufstand in der Mine Marikana in Südafrika sind noch frisch. Es gab 34 Tote. Ein fotografischer Essayband erforscht nun die Vergangenheit: das Leben südafrikanischer Kumpel und Aufseher in den sechziger Jahren.

Die Fernsehbilder vom Aufstand in der Mine Marikana in Südafrika sind noch frisch. Es gab 34 Tote. Ein fotografischer Essayband erforscht nun das Leben von südafrikanischen Kumpeln und Aufsehern in den 1960er Jahren. Die Gründe für das Blutbad legt das Buch nicht frei - doch es illustriert eindrucksvoll mögliche Hintergründe.

David Goldblatt, geboren 1930 in Randfontein, gehört zu den besten Fotografen Südafrikas. Nadine Gordimer, geboren 1923 in Springs, ebenfalls einer Goldminenstadt, gewann 1991 den Nobelpreis für Literatur.

Beide Künstler sind weiß, das spielt in Südafrika immer noch eine Rolle, und beide machen sich Gedanken über das Miteinander mit den Schwarzen oder das Nebeneinander, darüber, wie aus der Apartheid-Vergangenheit eine gemeinsame Zukunft werden kann. Wenn Goldblatt und Gordimer einen fotografischen Essayband zu Südafrikas Gold- und Platinminen veröffentlichen, zum leidgeprüften Witwatersrand will man auf jeden Fall reinschauen. Auch weil die Fernsehbilder vom jüngsten Aufstand in der Mine Marikana noch frisch sind. Schwarze Polizisten schießen auf schwarze Kumpel, Gewehre gegen Macheten, 34 Tote.

On the Mines ist jedoch kein aktueller Band, es zeigt nicht die Kumpel und Aufseher von heute, sondern die 1960er-Jahre, eine Vergangenheit, als die Aufseher noch weiß waren und die Kumpel schwarz.

Bild: David Goldblatt/Steidl Verlag 12. Dezember 2012, 14:042012-12-12 14:04:00 © SZ vom 12.12.12/pak