Selbstverständlich bestritt die versammelte Intelligenz, dass die Deutschen das neutrale Belgien überfallen, dass sie überhaupt Kriegsverbrechen begangen hatten. Nein, "eine schon lange an den Grenzen lauernde Übermacht" war es, die im August 1914 "von drei Seiten über unser Volk herfiel", das deshalb gar nicht anders konnte, als sich mit allen, also vor allem mit den Mitteln der Kultur zu wehren. Kultur aber hieß, siehe Ludwig Thoma: Schießgewehr. "Ohne den deutschen Militarismus wäre die deutsche Kultur längst vom Erdboden getilgt."

Seit 1914 sind Krieg und Propaganda oft synonym, jedenfalls so untrennbar verbunden, dass das massenhafte Sterben Letztere erst zu Höchstleistungen motiviert. Die Propaganda kreierte ein Volk von Freiwilligen, das seine jungen Männer von ihren Mädchen geleitet in blumengeschmückten Waggons zur Front rollen ließ, sie präsentierte Paul von Hindenburg, den sogenannten "Sieger von Tannenberg", als Reichsgroßvater auf hunderttausend Ziertellern, sie forderte die Mobilmachung der Kartoffel und hörte noch längst nicht auf bei "Deutschen Heldenzigaretten" und Schießspielen für die Kleinen.

Bild: Museum für Kunst und Gewerbe / Maria Thrun 23. Juli 2014, 11:362014-07-23 11:36:48 © SZ vom 23.7.2014/pak/odg