Das sinnfälligste Beispiel dafür ist eine schlichte Lithografie. Das Plakat zeigt unter der Überschrift "Das Geheimnis von Lüttich" nur ein 42-Millimeter-Geschoss in Originalgröße, verziert mit dem Obersten Feldherrn Wilhelm II. und dem Reichsadler. Das war "unser Bombenerfolg", die rasche Eroberung der befestigten belgischen Stadt Lüttich durch beste deutsche Wertarbeit.

Natürlich gab es auch subtilere Formen der Werbung. Annähernd hundert deutsche Wissenschaftler, Dichter und Künstler wandten sich im Oktober 1914 mit der Drohung "An die Kulturwelt!", "daß wir diesen Kampf zu Ende kämpfen werden als ein Kulturvolk, dem das Vermächtnis eines Goethe, eines Beethoven, eines Kant ebenso heilig ist wie sein Herd und seine Scholle".

Einer der Unterzeichner war der Chemiker Fritz Haber, der ein halbes Jahr später Goethe und Beethoven mit Giftgas durchsetzen wollte.

Ansicht der Ausstellung "Krieg und Propaganda 14/18"

Bild: Museum für Kunst und Gewerbe / Michaela Hille 23. Juli 2014, 11:362014-07-23 11:36:48 © SZ vom 23.7.2014/pak/odg