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Erster Roman bei Twitter:SMS vom Schafott

Wer kein Buch hat, soll doch sein Handy essen: Bei Twitter gibt es jetzt einen Roman zu lesen. Da rollen Köpfe, denn es geht um die Französische Revolution.

In den USA hat ein Schriftsteller damit begonnen, seinen neuesten Roman im Internet über den Kurznachrichtendienst Twitter zu veröffentlichen - in Textbrocken von jeweils 140 Zeichen. Er sei seines Wissens der erste Autor, der einen vollständigen Roman über Twitter herausbringe, schrieb der in San Francisco lebende Matt Stewart am Dienstag auf seiner Internetseite.

Twitter und die Revolution: Ist "The French Revolution" der erste Twitter-Roman oder nicht? Und wenn ja: Was soll das?

(Foto: Screenshot: Huffingtonpost.com)

Sein Vorhaben sei ein "soziales Experiment", mit dem er herausfinden wolle, wie die Öffentlichkeit auf die Veröffentlichung eines Buches in "Schnipseln" reagiere. Trotz großer Bemühungen seines Agenten habe er keinen Verleger für den Roman mit dem Titel "The French Revolution" ("Die Französische Revolution") gefunden.

Wer liest schon lange Texte online?

Der Schriftsteller schätzt, dass er rund 3700 "Tweets" von jeweils 140 Zeichen braucht, bis "The French Revolution" vollkommen veröffentlicht ist. Sein Projekt startete er pünktlich zum französischen Nationalfeiertag am 14. Juli, an dem die Franzosen an den Beginn der Revolution im Jahr 1789 erinnern.

In der Huffington Post erklärt der Autor, "Warum ich meinen Roman auf Twitter publiziere": Wäre er der Leser, würde er der Sache skeptisch begegnen, so Stewart: Wer lese schon lange Texte auf Twitter? Wer lese überhaupt lange Texte online? "Die Antwort ist: niemand."

Insofern erwarte er auch nicht, dass User den Roman in seiner Gänze auf Twitter lese. Es gehe ihm eher um die Vermarktung der Idee zu dem Buch. Ähnlich wie ein TV-Spot im Fernsehen, der Zuschauer dazu animiere, im Internet die ganze Serie zu bestellen.

Außerdem könne er über den Online-Dienst selbst bestimmen, in welcher Geschwindigkeit und Zeitspanne er seinen Roman - Stück für Stück - veröffentliche. Ein großer Vorteil sei, dass die User direkt reagieren könnten.

Auf seinen Artikel in der Online-Zeitung Huffington Post , das als einflussreichstes Alternativmedium der USA gilt, hat bereits ein User geantwortet: "The French Revolution" sei gar nicht der erste Roman bei Twitter. Schon im April 2008 sei eine "Twitter Novel" erschienen, die zufällig er selbst verfasst habe.

© sueddeutsche.de/afp/rus/korc
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