Erfurt:Missbrauchsvorwürfe am Theater: Kanzlei soll aufklären

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Am Erfurter Theater soll es mutmaßlich zu Missbrauchsfällen gekommen sein. Eine Kanzlei soll nun bei der Aufklärung helfen. Derweil wird die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, die die Vorwürfe an die Öffentlichkeit getragen hat, beurlaubt.

Direkt aus dem dpa-Newskanal: Dieser Text wurde automatisch von der Deutschen Presse-Agentur (dpa) übernommen und von der SZ-Redaktion nicht bearbeitet.

Erfurt (dpa/th) - Wegen mutmaßlicher sexueller Übergriffe am Theater Erfurt hat die Stadtverwaltung eine Berliner Anwaltskanzlei beauftragt. Diese werde in der kommenden Woche die Arbeit aufnehmen, sagte Kulturdezernent Tobias Knoblich am Freitag. Möglichst innerhalb von sechs Wochen sollten deren Untersuchungen abgeschlossen sein. Unabhängig davon sei auch die Staatsanwaltschaft über die Vorwürfe informiert worden.

Hintergrund sind Vorwürfe sexuell motivierter Pflichtverletzungen gegenüber Frauen und Machtmissbrauch am Theater Erfurt. Der genaue Umfang dieser Vorwürfe und die genaue Zahl der möglichen Fälle ist der Verwaltungsspitze deren Angaben nach nicht bekannt. Diese Aufklärungsarbeit solle nun die Kanzlei leisten. Die Kanzlei werde über eine von Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD) berufene Kommission angebunden. Auch der Personalrat des Theaters sei darin vertreten, so Knoblich.

Mindestens ein Vorwurfsfall sei aktuell. Zudem sei ein Fall aus dem Jahr 2007 bekannt, der formal zwischen den Beteiligten beigelegt worden sei, so Knoblich. Dabei sei es auch nicht um sexuelle Belästigung gegangen. Die Vorwürfe richteten sich gegen unterschiedliche Akteure, sagte Knoblich weiter.

Die Arbeit der Kanzlei laufe eigenständig und werde nicht von der Stadtverwaltung kontrolliert, betonte Knoblich. „Dieser Arbeitsauftrag bezieht sich auch explizit auf die möglicherweise vorhandenen Schnittstellen zur Stadtverwaltung: Sollte es in der Vergangenheit Verflechtungen gegeben haben, oder auch in der Gegenwart noch Verflechtungen geben, die Ereignisse oder Geschehnisse am Theater in irgendeiner Weise vertuscht haben, oder die Aufklärung verhindert haben sollten, dann werden die in diesem Zusammenhang mit untersucht und aufgedeckt.“

„Ich hätte gerne außer wirklich sehr, sehr nebulösen Andeutungen etwas Konkretes auf dem Tisch gehabt“, rechtfertigte Bausewein den Schritt, erst jetzt zu Aufklärungsmaßnahmen gegriffen zu haben, obwohl die Vorwürfe mindestens seit Sommer der Stadtspitze bekannt gewesen waren.

Diese waren durch die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, Mary-Ellen Witzmann, aufgekommen, die sich auch nach eigenen Angaben mit den ihr bekannt gewordenen Fällen befasst hatte. Auf Nachfrage informierte sie auch die „Thüringer Allgemeine“, dass sie Kenntnisse von Vorwürfen habe. Daraufhin hatte die Stadtverwaltung Witzmann unter anderem eigenmächtiges Verhalten vorgeworfen. Sie hätte Informationen an die Dienststellenleitung weitergeben sollen, statt die Presse zu informieren. Witzmann hatte hierzu auch im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur betont, dass sie vor allem auf den Opferschutz achten und vertraulich mit ihren Informationen umgehen müsse.

Witzmann, informierte der Pressesprecher der Stadt am Freitag, sei derweil am Donnerstag vom Amt der Gleichstellungsbeauftragten „abberufen und beurlaubt“ worden. Angaben zu den genauen Gründen dafür wurden am Freitag nicht gemacht.

Vorwürfe von Machtmissbrauch an deutschen Theatern gab es in den vergangenen Jahren häufiger. Eine nicht-repräsentative Umfrage für das „ARD-Mittagsmagazin“ unter rund 750 Bühnenschaffenden aus allen Bundesländern hatte im Juni ergeben, dass eine deutliche Mehrheit der Befragten persönlich schon mit Machtmissbrauch konfrontiert gewesen sei. Fast in jedem zweiten Fall seien die meist verbalen Übergriffe von der künstlerischen Leitung, also den Intendantinnen und Intendanten, ausgegangen, aber auch von anderen Personen, die mehrheitlich in Leitungspositionen arbeiteten.

© dpa-infocom, dpa:231027-99-727493/3

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