"Ender's Game" im Kino:Verlust der Unschuld

Lesezeit: 3 min

Asa Butterfield ist Ender, sein Gesicht ist noch schmaler, blasser und verhärmter als in Scorseses "Hugo", wo er sich durch den Pariser Winter schlug, zwischen den großen Kriegen, und am liebsten mit Mechaniken und Konstrukten verkehrte, mit Uhren und Menschenautomaten.

Kadettenfilme sind, als Genre, eher selten in Hollywood, sie wirken meistens gemütlich, aber ihr Unterton macht sie härter als die richtigen Kriegsfilme. Weil es um den Verlust einer Unschuld geht, der die Genese des Kriegers begleitet, weil man erlebt, wie aus Menschen Kampfmaschinen werden - und was dabei mit ihrer Menschlichkeit passiert. Ein Prozess der Deformation, der Vergewaltigung.

In der typisch amerikanischen Familie, aus der Ender gerissen wird, um die Welt zu retten, hat er die stärkste Beziehung zu seiner Schwester, die ihn tröstet und ermutigt, ihm den Weg weist. Es könnte die Beziehung der Zukunft sein.

Dass die jungen Naiven - die Simplicissimi -, effektiver sind als die gelernten und in ihrer Routine erstarrten Profis, ist oft durchgespielt worden in den Romanen der Weltliteratur und der Science-Fiction.

Schon in den Siebzigern hat Orson Scott Card "Ender's Game" in einer Kurzgeschichte konzipiert, die Kriege, an denen er sich orientierte, waren Korea und Vietnam. Keine Eroberungskriege, erklärt er in Interviews, wir schickten unsere Kinder los, um fremden Völkern zu helfen. Vom Präventivkrieg sprach man erst mal nicht, und nicht vom Genozid. Und davon, wie mit der Invasion des Irak der Krieg durch die neuen Technologien auf den Punkt gebracht wird, die definitive Entscheidungsschlacht.

Parzellierte Schuld und Unschuld

Die Kinder sind daher die künftigen Krieger, an ihren Konsolen und Joysticks, Die moralische Debatte um die Gefährlichkeit der Game-Abhängigkeit verlagert der Film am Ende in ein merkwürdiges Doppelspiel, in dem Tränen fließen, Schuld und Unschuld parzelliert werden. Und mit seltsamer Starrköpfigkeit beharrt er dann doch auf Resten von verlorener, aber erinnerter Realität.

Seit ich fünf war, erzählt Oberst Graff, er wird immerhin gespielt vom alten "Star Wars"-Söldner Harrison Ford, habe ich meinem Vater beim Zureiten der Pferde geholfen - das erklärt seinen sicheren Blick für die Qualitäten der jungen Kadetten. Und Mazer Rackham, der im ersten Krieg gegen die Außerirdischen zum großen Kriegsheld wurde, ihn verkörpert Ben Kingsley, fühlt sich als Maori durch seine Gesichtstätowierung mit den Toten verbunden. In der künstlichen überlebt eine wirkliche Welt, als Mythos.

Ender's Game, USA 2013 - Regie, Buch: Gavin Hood. Kamera: Donald McAlpine. Mit Harrison Ford, Asa Butterfield, Hailee Steinfeld, Viola Davis, Abigail Breslin, Ben Kingsley. Constantin, 114 Min.

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