"Ender's Game" im Kino:Krieger an Konsolen und Joysticks

Gavin Hood hat "Ender's Game" verfilmt, einen der großen Kultromane der vergangenen Jahrzehnte. Sein Science-Fiction-Film handelt von den Kriegen der Zukunft, die in Form von Drohnen-Einsätzen bereits begonnen haben.

Von Fritz Göttler

Auch der künftige Krieg will gelernt sein. Einer der letzten Probeläufe, den die jungen Kadetten dieses Films in ihrer Trainingsstation absolvieren müssen, ist ein merkwürdiges Geknuddel. Ein Dutzend Kinderkörper zu einem Knäuel verschlungen, in einer Art Football-Strategie, Arme und Beine ineinander verhakt - eine schlingernde Kugel, die sich langsam durch die Schwerelosigkeit des Übungsraums schiebt.

Alle paar Meter stoßen ein paar der verhakten Kids sich ab und zischen auf die Gegner zu, die sich im Dunkel des Raums verschanzt haben. Das Ganze ist lustvoll und infantil, ein rechtes Kindergartengetümmel, und der Film lässt keinen Zweifel daran.

Ender hat sich das ausgedacht, der junge Gruppenführer, der schneller lernt und vorwitziger ist mit seinem Mundwerk als alle andern. Er hält seine Jungs und Mädchen nicht durch dummen Drill zusammen, sondern indem er an ihre Spontaneität und Kreativität appelliert.

Oberst Graff hat Ender ausgesucht für die Kadettenschule, hat an ihm festgehalten trotz der Bedenken der Kollegen und der Selbstzweifel des Jungen, hat ihm die kleine "Dragon"-Einheit anvertraut. Er hat den Blick für Führungsqualitäten, für spielerischen Drive.

Hailee Steinfeld in Ender's Game

Der Krieg durch neue Technologien auf den Punkt gebracht: Hailee Steinfeld in Ender's Game.

(Foto: Constantin Film Verleih)

Die Menschheit hat ein Problem, nur mit letzter Kraft hat sie vor Jahren eine Invasion außerirdischer Ameisenwesen abgewehrt, nun fürchtet man, dass ein zweiter Versuch vorbereitet wird auf einem der Erde vorgelagerten Planeten. Um die drohende Gefahr zu beseitigen und das Trauma, das damit verbunden ist, braucht es Kämpfer, Strategen und Helden.

Absurde Körpernähe

Es ist ein Spiel, das dort im Trainingslager abläuft, unter Enders Kommando. 1985 hat Orson Scott Card "Ender's Game" veröffentlicht, lange bevor Video- und Internet-Games Teil der Alltagskultur waren, bevor sie soziologisch und psychologisch untersucht wurden, auf ihre gesellschaftliche und politische Effizienz hin.

Der Roman ist bis heute eines der beliebtesten Coming-of-Age-Stücke der Science- Fiction (vom Autor mit diversen Fortsetzungen versehen), er wird von Kids und Erwachsenen gelesen - und offiziell bei den US-Marines in der Ausbildung.

Die Verfilmung von Gavin Hood kommt nun zu einem Zeitpunkt in die Kinos, da der anonyme, der virtuelle, der Drohnenkrieg dabei ist, die militärischen Einsätze Mann zu Mann überflüssig zu machen. Schon deshalb wirkt der knuddelige Test mit Körpernähe und -kontakt so absurd und nutzlos. Das hat mit der neuen Kriegsrealität nichts zu tun, seiner Kommandostand- und Knopfdruckstrategie, und genau das ist die bittere, brutale, bizarre Lektion, die auch der naive Streber Ender schließlich lernen muss.

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