bedeckt München 17°
vgwortpixel

Ende einer Ära:Claudia Baumhöver verlässt dtv

Es lief gut für dtv, nun kam überraschend die Nachricht, dass die Verlegerin geht.

Dem Verlag ging es gut, bis am Donnerstag dieser Woche die Nachricht kam, dass die Verlegerin Claudia Baumhöver die dtv Verlagsgesellschaft verlässt. In einer offiziellen Mitteilung bedauern die Gesellschafter ihr Ausscheiden. Das Börsenblatt des Deutschen Buchhandels zitiert Thomas Ganske von der Ganske-Verlagsgruppe, die über vierzig Prozent der Anteile an dtv besitzt: "Auch wenn es schwer wird, auf ihre Erfahrung zu verzichten, wünschen wir Claudia Baumhöver für ihre Zukunft, die sie in eine andere Branche führen wird, weiterhin viel Erfolg." Stephan Joß, der Geschäftsführer des Hanser Verlages, der ebenfalls zum Kreis der dtv-Gesellschafter gehört, ist zum Interims-Geschäftsführer von dtv berufen worden.

Mit dem Abschied von Claudia Baumhöver endet eine äußerst erfolgreiche Zeit, eine Ära, könnte man sagen, wären es nicht nur vier Jahre gewesen. Am 1. Januar 2016 trat Baumhöver, die zuvor den Hörverlag, das Flagschiff unter allen deutschen Hörbuch-Verlagen geleitetet hatte, ihr Amt als dtv-Verlegerin an. Der gediegene, aber lange Zeit stille Taschenbuchverlag, überraschte Leserinnen und Leser, etwa mit der großartigen, schön gestalteten Ausgabe "Sämtlicher Schriften" Alexander von Humboldts, die einen bis dahin vergessenen, kaum gekannten Kosmos erschloss. Oder mit der Neuübersetzung der Werke James Baldwins. Vor wenigen Wochen erst erhielt Pieke Biermann den Preis der Leipziger Buchmesse für ihre Übersetzung des aberwitzigen und in seinem Aberwitz beglückenden Romans "Oreo" von Fran Ross, erschienen bei dtv. Der verlegerische Idealismus Claudia Baumhövers bescherte dtv nicht allein Aufmerksamkeit und Sympathie, sondern auch ökonomisch Erfolge. Es bleibt die Frage, warum wieder eine begeisternde Verlegerin ihren Posten verliert, mitten in einer Krise, die alle Selbstverständlichkeiten der Buchbranche erschüttern wird.

© SZ vom 28.03.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite