Empfehlungen von Barack Obama:Cools letzter Sommer

President Barack Obama waves to reporters as he walks out with First lady Michelle Obama from the White House

Hier winkt nicht einfach nur Barack Obama, sondern der krass-coole Prez, wie Groupies ihren Präsidenten liebevoll nennen.

(Foto: REUTERS)

In den Ferien zeigt US-Präsident Obama noch einmal, was er am besten kann: der amerikanischen Unterhaltungsindustrie den Takt vorgeben.

Von Stefan Kornelius

Für Teenager gibt es vermutlich wenig Peinlicheres, als wenn der 54-jährige Vater mit seiner Playlist angibt oder als Bodysurfer den Strand unsicher macht. Überliefert ist es nicht, was Malia (18) und Sasha (15) von ihrem Daddy halten, auch wenn die Fachpresse pubertäre Spannungen ausgemacht haben will. Sasha jobbte gerade ein paar Tage an der Fischtheke direkt am Anleger, Malia soll betrunken gewesen sein, Daddy macht auf cool - das Übliche also, wenn Sommer ist in Amerika und die Obamas auf die Insel fahren.

Die Insel, das ist Martha's Vineyard, jenes wunderbare Eiland vor der Küste Massachusetts, dessen Schwesterinsel Chappaquiddick schon den Kennedys ein Zuhause war und das vor allem im Winter reizend (und eisig kalt) ist, wenn die Obamas und andere Touristen mit dem Boot oder dem Hubschrauber abgereist sind.

Zeit für kulturelle Hegemonie

Sommer aber ist Obamas Zeit. Da läuft der Präsident zur Hochform auf in seiner vielleicht stärksten Disziplin: kulturelle Hegemonie. Da ist zu bewundern: der Bonvivant, der Intellektuelle, der krass-coole Prez, wie die Groupies aus dem Unterhaltungsgewerbe ihren Präsidenten liebevoll nennen.

Die Sommertournee beginnt traditionell am 4. August mit dem Geburtstag, den Obama dieses Jahr mit nicht wenigen Show- und Sportgrößen wie Stevie Wonder, Magic Johnson, George Lucas oder Kendrick Lamar relativ undokumentiert feierte - Handys mussten am Eingang abgegeben werden. Seit zwei Wochen nun spielt Prez Barack Golf auf der Insel, liest die fünf Bücher, die auf seiner Sommerleseliste zu finden sind (die Memoiren des Surfer Idols William Finnegan, den traurig-rührenden Selbstfindungsroman "H wie Habicht" oder die politisch programmatische "Underground Railroad" von Colson Whitehead), und hört natürlich seine Musik.

Obamas Musik ist inzwischen der wichtigste Beleg präsidentieller Coolness, die Playlist zählt zur heißen Ware auf der Streaming-Plattform Spotify und wird von Musikkritikern analysiert wie ein Bibeltext. Soul, R 'n' B, Hip-Hop, Rap - der Präsident ist ein eklektischer Hörer, aber seine Auswahl zeugt von bemerkenswertem Geschmack und Gespür für Talent. Allein die Nennung auf der Liste des vergangenen Jahres reichte aus, um die Rock 'n' Roller Low Cut Connie wirklich berühmt zu machen. Dieses Jahr scheint Loen Bridges das Rennen mit "Smooth Sailin" zu machen.

Die Fachportale jedenfalls danken ihrem Oberkommandierenden hymnisch für die Höranleitung, und Obama belegt in seinem letzten Präsidentensommer noch einmal, wie spielerisch er inzwischen die Unterhaltungsindustrie um den Finger wickelt. Ob Talkshow-Auftritte (legendär mit Jimmy Fallon), Stunts mit Comedians (wie Jerry Seinfeld), Sketche (mit Steven Spielberg) - Obama beherrscht alle Kanäle und schickt im Zweifel seine Frau Michelle zum Carpool Karaoke.

Probleme? Krisen? In den letzten Tagen musste Obama entscheiden, ob er Flutopfer in Louisiana besuchen sollte. Er blieb auf der Insel. Cools letzter Präsidentensommer durfte nicht zu früh zu Ende gehen.

© SZ vom 20.08.2016/cag
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