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Empfehlung der evangelischen Kirche:Meidet Gibson!

Der Film: "Die Passion Christi" von Mel Gibson hat - noch vor seinem Anlaufen hierzulande - schon die evangelische Kirche beschäftigt: Sie bemängelt mangelnde theologische Tiefe, attestiert Brutalität, aber keinen Anti-Semitismus und rät Konfirmanden, ihn besser nicht anzuschauen.

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) findet den umstrittenen Mel-Gibson-Film "Die Passion Christi" nicht empfehlenswert. Der kommende Woche in Deutschland anlaufende Film sei oberflächlich und brutal, aber nicht offen antisemitisch oder skandalös, heißt es in einem am Montag in Hannover veröffentlichten Schreiben der EKD an ihre Gliedkirchen. Gibson zeige eine auf die letzten zwölf Stunden reduzierte Illustration der biblischen Passionsgeschichte.

Angeblich ein "grausiges, Blut triefendes Werk, das sich an den Schmerzen des Erlösers weidet".

(Foto: Foto: dpa)

Dem Film fehle die theologische Tiefe, um seine Brutalität ausgleichen zu können. Deshalb eigne sich der Film nicht für Konfirmanden, stellte die EKD fest. Pfarrer sollten den Film nicht gleich mit Gemeindegruppen sondern zunächst allein besuchen, um einschätzen zu können, ob sie den "Grad an Brutalität ihrer jeweiligen Gemeinde zumuten können und wollen".

Gibson inszeniere ein "grausiges, Blut triefendes Werk, das sich an den Schmerzen des Erlösers weidet", kritisiert das Schreiben des EKD-Kirchenamtes. Der Regisseur bade in einer "Schmerzensmann-Frömmigkeit", die alles Gewicht auf die Äußerlichkeit des Leidens Jesu lege. In der Bibel sei der Leidensweg Jesu jedoch Abbild "der damals gewöhnlichen römischen Menschenverachtung". Aus der Geißelung Jesu, die den Passionsgeschichten nur einen Halbsatz wert sei, mache Gibson ein Viertel seines ganzen Werks.

Der Brief der EKD distanziert sich auch strikt von antisemitischem Missbrauch des Films. Manche Volksszene, manche markanten Gesichter und manche Schuldverteilung zwischen Pontius Pilatus und Juden seien problematisch und man könne sie "als Wasser auf die Mühlen des Antisemitismus verstehen". Allerdings müsse man Gibson zubilligen, dass "in seinem Film Römer und Juden gleichermaßen schlecht wegkommen". Der Regisseur wolle eine allgemeine Menschenschuld am Tod Jesu und nicht eine spezifisch jüdische Schuld zeigen.