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"Emma"-Chefredakteurin tritt zurück:Nicht geeignet

Von kurzer Dauer: Lisa Ortgies, Chefredakteurin der Emma, verlässt die Zeitschrift nach nur sechs Monaten. Sie eigne sich nicht "für die umfassende Verantwortung einer Chefredakteurin", sagt Alice Schwarzer.

Das war ein kurzes Gastspiel: Lisa Ortgies, seit Januar dieses Jahres Chefredakteurin der feministischen Zeitschrift Emma, gibt ihren Posten nach einem halben Jahr wieder ab. Ortgies werde sich zum 30. Juni zurückziehen, teilte ein Sprecher auf Anfrage mit. Beobachter vermuteten, die Chefredakteurin habe ihre Vorstellungen bei Emma nicht umsetzen können.

In einer am heutigen Freitag veröffentlichten Presserklärung schreibt Gründungschefredakteurin Alice Schwarzer im Namen der Redaktion: "Zu unserem Bedauern eignet sich die Kollegin - die wir als Autorin weiterhin sehr schätzen und gerne als redaktionelle Mitarbeiterin mit Standort Hamburg gewonnen hätten - nicht für die umfassende Verantwortung einer Chefredakteurin. Dies hätten wir selbstverständlich lieber intern und kollegial geregelt, reagieren jedoch hiermit auf den für uns unerwarteten und überraschenden gestrigen Schritt von Frau Ortgies in die Öffentlichkeit." Im Interesse von Lisa Ortgies werde es dazu keine weitere Stellungnahme geben.

Bis eine Nachfolgerin gefunden sei, werde Gründerin und Herausgeberin Alice Schwarzer, 65, wieder den Posten übernehmen, sagte ein Sprecherin. Ortgies hatte am Donnerstagabend mitteilen lassen, die Position zum 30. Juni aufzugeben.

Die Journalistin Ortgies war vom Fernsehmagazin frau tv (Westdeutscher Rundfunk) zu Emma gestoßen, um die Zeitschrift neu zu positionieren. Alice Schwarzer blieb aber Verlegerin und Herausgeberin von Emma, die sie Anfang 1977 ins Leben gerufen hatte. Die Karriere der bekanntesten deutschen Frauenrechtlerin ist mit Emma untrennbar verbunden. Das Magazin hatte sie auch einst ihr "Kind" genannt.

Als Schwarzer zum Jahreswechsel die Chefredaktion an Ortgies übergab, sagte sie, sie freue sich, die alltägliche Verantwortung in andere Hände legen zu können. Die Frauenrechtlerin Schwarzer, "Journalistin des Jahres 2005", kämpft seit vier Jahrzehnten für ihre Geschlechtsgenossinnen und hat dabei mit der kampfbereiten Emma viele Tabus gebrochen. Zu den Themen gehörten Abtreibung, Kampagnen gegen Pornografie, Prostitution, Diätwahn oder die Unterdrückung muslimischer Frauen. Die Zeitschrift Emma hat eine Auflage von rund 40 000 Exemplaren.

© sueddeutsche.de/dpa/ehr
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