Süddeutsche Zeitung

Single von Eminem und Snoop Dogg:Bekiffte Affen

Lesezeit: 2 min

Eminem und Snoop Dogg haben einen gemeinsamen Song veröffentlicht: "From D 2 LBC" ist mittelguter Stoner-Humor - und könnte wegen des Videos noch für Kontroversen sorgen.

Von Jakob Biazza

Vielleicht muss man Video und Song als große Friedensgeste lesen. Dann hätte das Ganze zumindest etwas Tröstliches in diesen wirren Wochen. Gab ja das, was man früher, in der ja auch längst nicht so guten alten Zeit, mal Beef genannt hätte. Eine Zeit, um das mal ins Verhältnis zu setzen, in der man das Testosteron-Getrommel zwischen der Ost- und der Westküste der USA noch allen Ernstes als "Krieg" bezeichnete. Sehr lang her. Auch gefühlt.

Jedenfalls: Snoop hatte Eminem zuletzt, nun, wie soll man sagen: geringgeschätzt? Er halte ihn, ließ er neben anderen Aussagen durchblicken, nicht für einen der bis zum heutigen Tage besten zehn Rapper, was unter den wirklich sehr, sehr vielen, sehr, sehr dummen Dingen, die der Hardcore-Kiffer Snoop Doog in seiner Karriere bislang von sich gegeben hat, wirklich an allervorderster Front marschiert.

Man stritt sich also ein nutzloses Jahr lang. Dann war man wieder gut miteinander, trat gemeinsam in der Superbowl-Halbzeit-Show auf und nun eben eine gemeinsame Single. "From the D 2 the LBC" heißt sie, eine Referenz an die Heimatstädte der beiden: Detroit und Long Beach, California, und im Stil eher ein Eminem-Song. Klavier-getragen, moll-lastig, Synthie-Streicher. Erste, noch ins Intro genuschelte Zeile: "Yeah, it's been a minute. This prolly shoulda happened a while ago."

Stimmt ja auch: Das letzte Mal, dass die beiden auf einem gemeinsamen Stück zu hören waren, ist gut 20 Jahre her. "Bitch Please II" hieß es, zu finden auf Eminems "The Marshall Mathers LP".

Problem: Es gibt Indizien, dass in der verwendeten NFT-Kunst Nazi-Symbolik versteckt ist

Und man muss sagen: Womöglich wären, die schöne Friedensgeschichte mal beiseite, ein paar weitere Jahre auch nicht ganz schlimm gewesen. "From the D 2 the LBC" ist in der Folge trotz der Spitzenbesetzung jedenfalls leider nicht viel mehr als eine Aneinanderreihung von in allerbesten Momenten maximal dreiviertellustigen Kifferwortspielen ("Cause dope is addictive, just like they call it mari-ju-ana / Cause like marriage, you wanna marry Jane / It's like you and Spider-Man feel the very same (Yeah)"). Dafür gibt es aber ein sehr buntes Video, in dem sich die Beteiligten in die NFT-Affen des Bored Ape Yacht Club verwandeln und sehr verstrahlt durchs Drogenwunderland driften.

Problem nun womöglich noch: In kunstsinnigen Kreisen sammeln Menschen gerade Indizien dafür, dass der Bored Ape Yacht Club in seiner NFT-Kunst mit Nazi-, Alt-Right und anderen Trollsymbolen und Mechanismen hantiert. Mal sehen also, wie lang noch Frieden herrscht.

Bestens informiert mit SZ Plus – 4 Wochen kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.5609104
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ/biaz/phbo
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.