EM-Moderatoren bei ARD und ZDF Marianne und die Kellerkinder

Die besten Moderatoren finden sich bei ARD und ZDF im Verborgenen, während die immer präsenten Gesichter danebengreifen. Wie Katrin Müller-Hohenstein, die im Deutschlanddirndl ins EM-Studio trat.

Von Ralf Wiegand

Vielleicht musste das noch einmal sein, dieses Sportstudio vom Bodensee, damit auch der Letzte erkennen konnte, was schief läuft im deutschen TV-Sportjournalismus.

Ein schwarzrotgoldener Traum? Katrin Müller-Hohenstein im ZDF- "Sportstudio". Neben ihr der ehemalige Fußballprofi Marco Bode, der sein Nationaltrikot noch nicht abgelegt hat.

(Foto: Screenshot: sueddeutsche.de)

Denn das wollen sie doch angeblich liefern, die öffentlich-rechtlichen Sender: sauberen distanzierten Journalismus, ob von der Tour de France, von den Olympischen Spielen oder von der Fußball-Europameisterschaft. So versprechen sie es alle Nase lang.

Aber dann kommt am Samstagabend von links Katrin Müller-Hohenstein ins Bild und trug ein Dirndl. Ein Dirndl in Schwarz, Rot und Gelb. Sie berichtet von einer Hiobsbotschaft "für uns Fans" und sagt, wenn Michael Ballack nicht spielen könne, dann sei das eine "unglaubliche menschliche Tragödie".

Für uns Fans des Sportjournalismus ist es eine unglaubliche menschliche Tragödie mitansehen zu müssen, dass der Sport im Fernsehen nun endgültig präsentiert wird wie das Frühstücksradio auf Antenne Bayern.

Als das ZDF sie von da weg transferiert hatte auf den Lerchenberg, endlich wieder eine Frau, durchtrainiert wie eine Siebenkämpferin und mit den Augen eines Bambis gesegnet, wähnte sich ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender dem Glück so nah.

Heute hier, morgen dort

In ihrer ersten Sendung habe Frau Müller-Hohenstein "sieben verbale Flanken geschlagen und fünf Lattenkracher gelandet", sagte er. Aus heutiger Sicht bedeutet das: Sie hat damals schon daneben geschossen.

Es ist nicht so, dass es keine guten Sportjournalisten mehr im Fernsehen gäbe. Sogar das ZDF hat welche, es sind die Pflänzchen, die im Verborgenen blühen. Boris Büchler etwa, der nach Schlusspfiff seine Fragen an die Spieler stellt, oft im Keller eines Stadions.

Kenntnisreich ist es, das Kellerkind Büchler, und der Respekt der Fußballer vor dem Sachverstand ist zu spüren. Nils Kaben ist so einer, den kann man heute zum Skifahren in die Alpen und morgen zum Jojo in die Wüste schicken. Er weiß immer, was er zu tun hat. Es sind die Uneitlen ihrer Branche, zu denen auch Bela Rethy gehört. Er hat eine Stärke, das Live-Spiel, und die pflegt er. Er ist sich da genug.

Es gibt sie in der ARD wie beim ZDF, die Abteilungen Eitelkeit und Sachverstand. Thomas Bartels ist wohldosiert am Mikrofon, und Sven Kaulbars (beide ARD) rettet das Sportfeuilleton ins Fernsehen mit seinen kuntsvollen Einspiel-Filmchen. Wer braucht Pocher?

Der Fisch stinkt halt auch hier vom Kopf, und am Kopf, da sind die Moderatoren. Die Europmeisterschaft hat vollendet, was lange schon zu beobachten war. Nicht die gelungene Moderation ist das Markenzeichen für einen Sender, sondern jeder Moderator ist seine eigene Marke.

Sie alle müssen eine Rolle besetzen: der Schwiegersohntyp Kerner, der Rock-'n'-Roller Beckmann, der Dauerläufer Poschmann, der Fußball-Soziolge Steinbrecher und der brave Delling.

Als das ZDF mal keinen Typen mehr fand, erfand es Christine Reinhardt: Die Schauspielerin bekam ein Engagement als Moderatorin des journalistischen Formats Sportstudio. Als würde Veronica Ferres die Tagesschau lesen, als würde Günter Jauch Bundespräsident werden, was ja die meisten Deutschen wollen.

Schwarzrotgoldnes Alpenglühen

Und jetzt Katrin Müller-Hohenstein. Dass sich das Auge in der Kulisse der Bregenzer Seebühne nicht schamvoll schloss oder wenigstens tränte! Es war gerade so, als sei "Das große Sommer-Open-Air mit Marianne & Michael" einfach ins Sportstudio übergegangen, als hätte sich Marianne bloß umgezogen und ein schwarz-rot-güldenes Dirndl übergestreift.

Was mag da noch kommen, wenn am Montag die Nationalmannschaft heimkehrt, 14 Uhr oder so. Die öffentlich-rechtlichen Sender drohen mit Live-Übertragungen auf allen Kanälen.

Es ist zu hoffen, dass im Kleiderschrank des Fans Katrin Müller-Hohenstein nicht noch eine weitere unglaubliche menschliche Tragödie für diesen Anlass hängt.