Eine Hand leuchtet aus dem Dunkel, wandert vom Scheitel übers Gesicht abwärts, spreizt sich über der Brust, zeichnet Taille und Hüfte nach. Die Männer ringsum geraten in den Bann der Frau, deren Kicks und Körperschrauben ihre Hormone in Schach halten. Bis zur Ekstase, zum orgiastischen Höhepunkt, der die Domina unter den Männerleibern begräbt. Ravels „Boléro“, von Maurice Béjarts ikonischer Choreografie in das erotischste Tanzritual aller Zeiten verwandelt, ist eine physische Herausforderung. Und eine Probe aufs Exempel: Kann die Tänzerin ihr dramatisches Talent in Béjarts expliziter, gleichwohl minimalistischer Formatierung ausspielen? Kann sie Taktschablonen sprengen, das eigene Ich vor den Augen des Publikums aus den Angeln heben? Elisabeth Tonev kann es perfekt.
Ballett„Du hast die Macht“
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Elisabeth Tonev als Odette in John Neumeiers „Illusionen – wie Schwanensee“.
Serghei GherciuElisabeth Tonev ist 26, erst ein Jahr Erste Solistin im Bayerischen Staatsballett – und tanzt bereits Rollen, die sonst reiferen Ballerinen anvertraut werden. Wie bleibt man da auf dem Boden? Eine Begegnung.
Von Dorion Weickmann
