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Elbphilharmonie:Bericht nennt Schuldige des Bau-Desasters

Bauarbeiten an der Elbphilharmonie

Auch wenn sie keine Arbeit suchen, sollen Zuwanderer in Deutschland künftig bessere Chancen auf Sozialleistungen haben, fordert die EU-Kommission.

(Foto: Christian Charisius/dpa)

Der frühere Hamburger Bürgermeister Ole van Beust hatte kein Interesse an den Details und die städtische Gesellschaft war mit der Kontrolle des Baukonsortiums überfordert: Ein vertraulicher Bericht nennt Schuldige des Planungsdesasters um die Elbphilharmonie.

Wer trägt die Schuld am Kosten-Desaster beim Bau der Hamburger Elbphilharmonie? Die konfuse Planung, die fehlerbehaftete Umsetzung aber auch schwere persönliche Fehler hätten zu dem Millionen-Fiasko bei dem Prestigeprojekt geführt, berichten Spiegel Online und Bild-Zeitung unter Bezugnahme auf einen neuen Bericht des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses der Hamburger Bürgerschaft.

Dieser zweite Abschlussbericht des Gremiums, der Spiegel Online und der Bild-Zeitung nach eigenen Angaben vorliegt, soll auf 724 Seiten eine schier endlos erscheinende Kette von Pleiten, Pech und Pannen auflisten.

Allerdings handelt es sich bei dem Dokument um eine Entwurfsfassung, die noch vertraulich ist. Sie soll vom Parlamentarischen Untersuchungsausschuss der Bürgerschaft Mitte Februar beraten und anschließend den betroffenen Zeugen und genannten Akteuren vorgelegt werden, damit sie Stellungnahmen abgeben können. Erst dann werde der finale Abschlussbericht erstellt, der Ende Mai von der Bürgerschaft veröffentlicht werden soll, wie ein Sprecher der Bürgerschaft zu Süddeutsche.de sagte.

Zu den Fehlern, die in der Entwurfsfassung genannt würden, zähle beispielsweise eine verfrühte Ausschreibung des Projektes, die nach Angaben von Spiegel Online erfolgte, obwohl die Planung noch gar nicht abgeschlossen war. Es habe sich zudem eine große Interessenkoalition gebildet, die das Prestigeprojekt Elbphilharmonie unbedingt umgesetzen wollte, sich aber zugleich gescheute habe, dem Bürger die wahren Kosten zu offenbaren. Und nicht zuletzt sei da eine städtische Bauherrengesellschaft gewesen, die ihren Kontrollaufgaben gegenüber dem beauftragten Baukonsortium nicht gerecht geworden sei.

Weil sich die verantwortlichen Hamburger Politiker mit der ganzen Angelegenheit zudem eher nebenbei auseinandergesetzt hätten, sei es schließlich zu der Kostenexplosion um das circa Zehnfache auf knapp 800 Millionen Euro gekommen.

Auch die Namen der für das Bau-Desaster Verantwortlichen wurden veröffentlicht. Dem einstigen Geschäftsführer der städtischen Realisierungsgesellschaft (ReGe), Hartmut Wegener, bescheinige der Bericht eine Mischung aus Unfähigkeit und Selbstherrlichkeit, so Spiegel Online. Auch der spätere ReGe-Geschäftsführer Heribert Leutner habe versucht, Bürgerschaft und Öffentlichkeit zu täuschen.

Kein Interesse an Details

Die handelnden Politiker kämen in dem Bericht ebenfalls schlecht weg. Dem damaligen Ersten Bürgermeister Ole von Beust (CDU) wird attestiert, sich für unbequeme Details zu wenig interessiert zu haben. Volkmar Schön, unter Beust Staatsrat in der Senatskanzlei und Aufsichtsratsvorsitzender der ReGe, sei seiner Kontrollaufgabe nicht gerecht geworden. Die ehemalige Kultursenatorin Karin von Welck habe die Bürgerschaft nicht rechtzeitig über Kostensteigerungen informiert.

© SZ.de/dpa/pak/cag/leja

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