Eingestellt: Interviewmagazin "Galore" Keine weiteren Fragen

Ein weiteres Opfer der Zeitungskrise: Kurz vor dem Jubiläum der 50. Ausgabe wird das Interviewmagazin Galore eingestellt. Nur das Internetportal bleibt.

Von Marc Felix Serrao

Nun reicht es nicht einmal mehr fürs Jubiläum, aber so sind die Zeiten. Galore, das Interviewmagazin, das in den vergangenen fünfeinhalb Jahren weit mehr als 900 Gespräche mit bekannten Menschen abgedruckt hat, schließt im Juni mit der 49. Ausgabe. Danach soll es zwar weiterhin Gespräche geben, aber keine gedruckten. Galore wird, wie viele Titel davor, nur noch als Internetportal weiterleben. Nach Frauen- (Amica), Männer- (Maxim) und People-Heften (Vanity Fair) ist nun ein kleines, aber feines Nischenmagazin am Ende. Fein, weil hier, anders als fast überall sonst, Interviews in der Regel ohne offenkundige Verkaufsabsichten (neues Buch, neuer Busen etc.) gedruckt wurden, und mit so zeitlosen Menschen wie Hans-Dietrich Genscher und Bud Spencer.

Das ewige Problem der Nischenprodukte: Auf Grund gesunkener Verkaufszahlen wird das Magazin "Galore" im Juni eingestellt.

(Foto: Foto: ddp)

Galore erscheint seit Dezember 2003 bei der Dialog GmbH. Verlagschef Michael Lohrmann, der in einem anderen Haus noch das Musikmagazin Visions herausgibt, erklärt das Aus mit der Entwicklung des Anzeigengeschäfts und der "allgemein misslichen Wirtschaftslage". Das Interviewheft habe in den ersten Jahren durchaus Geld abgeworfen. Dann kam 2008, die Krise. "Die Größenordnung hat uns noch nicht gleich das Genick gebrochen", sagt er; vergangenes Jahr habe er lediglich einen mittleren fünfstelligen Betrag verloren. Aber Anfang dieses Jahres sei klar gewesen: "Das wird sehr schwierig." Der Verlag probierte noch, die Auflage durch eine "Film Edition" (DVD zum Heft) mit anspruchsvollen Werken wie Sofia Coppolas The Virgin Suicides zu erhöhen. Doch es reichte nicht.

Keiner verliert den Job

Auch der 2008 für ein dreiviertel Jahr unternommene Versuch, Galore durch "sonstige Verkäufe" auflagenstärker zu machen, ging schief. Bei diesem - durchaus verbreiteten - Modell gibt ein Verlag seine Publikation zu Sonderkonditionen an Großanbieter ab. Das erhöht die Auflage, auch wenn die Zahl der Heftkäufer konstant bleibt. Für Verlage ist so ein Schritt teuer, vor allem wenn sich die Hoffnung auf mehr Werbung und Leser am Ende nicht erfüllt. Wie bei Galore: Anfang 2008 verkaufte das Heft im Schnitt 86000 Exemplare. Ein Jahr später (ohne Sonderkonditionen) waren es 20200.

Die einzig gute Nachricht an dieser Schließung ist die, dass vorerst niemand den Job verliert. Kleine Hefte wie Galore kamen schon immer mit wenigen festen Mitarbeitern aus. Hier sind es derzeit drei. "Und die bleiben es auch", verspricht Lohrmann. Es werde nur einen Führungswechsel geben. Print-Chefredakteur André Boße werde künftig als freier Autor für Galore.de arbeiten. Sascha Krüger, zurzeit freier Mitarbeiter, soll den Online-Auftritt leiten.

Am 29. Juni soll das neue Portal starten - mit unbegrenztem Zugang. "Wir werden sämtliche Inhalte kostenlos online zur Verfügung stellen", sagt Lohrmann. Montags bis freitags werde es täglich um 12 Uhr ein neues Interview geben. Der Verleger wählt den Gang in die Kostenlosigkeit nicht aus Überzeugung. Es sei bloß ein "Tribut" an die Zeit: "Wir als Magazin können nicht die Grundmisere des Internets austreiben." Es sei nunmal so, dass Journalismus als Gratiskonsumgut wahrgenommen werde: "Wie das auf Dauer gut gehen soll, weiß ich nicht."