Einflussreicher Historiker Hans-Ulrich Wehler ist tot

Der Historiker Hans-Ulrich Wehler war zuletzt Professor in Bielefeld.

(Foto: Matthias Benirschke / dpa)

Er war einer der einflussreichsten Historiker Deutschlands: Hans-Ulrich Wehler ist im Alter von 82 Jahren gestorben.

Hans-Ulrich Wehler, einer der wichtigsten Historiker der Bundesrepublik, ist am Samstag im Alter von 82 Jahren in Bielefeld gestorben. Das bestätigte sein Freund und Kollege Jürgen Kocka, emeritierter Professor der Freien Universität Berlin.

Wehler lehrte von 1971 bis zu seiner Emeritierung 1996 in Bielefeld. Dort baute er in den frühen Siebzigerjahren die Geschichtsfakultät an der neugegründeten Universität mit auf. Wehler hatte außerdem Gastprofessuren an den US-Universitäten Harvard, Princeton und Stanford inne.

Wehler war ein Hauptvertreter der kritischen Sozialgeschichte ("Bielefelder Schule"). Im Jahr 2008 vollendete Wehler nach mehr als 25 Jahren sein Opus magnum, die fünfbändige "Deutsche Gesellschaftsgeschichte" über die Zeit von 1700 bis 1991 - ein Standardwerk der deutschen Geschichtsschreibung. Im letzten Band geht er mit der DDR hart ins Gericht. Jener Staat sei "in jeder Hinsicht gescheitert", und zwar von Beginn an, "mit der zentralen staatlichen Planwirtschaft und beim Umbau der Gesellschaft".

Ein Klassiker ist zudem seine 1973 erschienene Analyse des Deutschen Kaiserreichs. In seinen Arbeiten ging Wehler stärker auf langfristige politische, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Strukturen und Prozesse als auf Menschen und Ereignisse ein. Kritiker warfen ihm das vor.

Als Intellektueller und Geisteswissenschaftler nahm Wehler an zahlreichen öffentlich geführten Debatten und Kontroversen teil, etwa am Historikerstreit Mitte der Achtzigerjahre, der um die Bedeutung des Holocaust für die Geschichtsschriebung und das Selbstverständnis der Bundesrepublik geführt wurde. Aber auch zu aktuellen Themen äußerte er sich immer wieder, verlangte mehr Integration von Einwanderern, kritisierte große Einkommensunterschiede in Deutschland und forderte einen Mindestlohn.