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"Eine deutsche Rapgeschichte":Böhmermann und Dende schaffen neuen Hip-Hop

Böhmermann Dendemann witzefrei

Böhmermann versucht sich sogar an den Hip-Hop-Posen - wenn auch nicht so gut, wie US-Vorbild Jimmy Fallon.

(Foto: Screenshot Youtube)

Aber viel wichtiger als eine komplett solide Kanon-Auswahl, wie sie auch Fallon und Timberlake produzieren, ist das, was Böhmermann und Dende aus diesem Musik-Mischmasch zusammensetzen. Kaum ein Song kommt unverändert über ihre Lippen: Mal tauschen sie ein paar Textzeilen gegen eigene aus, mal zitieren sie ein Lied nur, indem sie das Instrumental unter den Text eines anderen Stücks legen. Hip-Hop eben, das Zitat im Sample, und womöglich das postmodernste Popmusik-Genre überhaupt.

"Wer Hip-Hop macht, aber nur Hip-Hop hört, betreibt Inzest", hat Jan Delay einmal gerappt, und es war vielleicht der wichtigste Satz, den je ein deutscher Hip-Hopper in einen Song gepackt hat. In neun Wörtern beschreibt er die Essenz der ganzen Szene. Der Satz ist Musiktheorie, Leitmotiv und Kulturkritik in einem. Das war im Jahr 2003. Mittlerweile ist auch in diesem Genre die postmoderne Selbstreferenz satisfaktionsfähig, Künstler wie Fettes Brot und Das Bo performen in ihren Live-Auftritten ähnlich nostalgische Medleys. Und Böhmermann und Dende haben ebenfalls verstanden, was ein Zitat von musikalischem Inzest unterscheidet.

Deshalb ist es auch ein kleiner Geniestreich, ein knappes Dutzend anderer Künstler in die Performance einzuladen. Anke Engelke rappt eine halbe Strophe aus "Hand aufs Herz" von Dendemann, und gendert dabei kurzerhand "Pussies" um in "Typen fallen reihenweise um wie Dominosteine". Per Skype-Schalte tauchen außerdem diverse Hip-Hop-Promis auf, von Blumentopf bis Bürger Lars Dietrich, von Curse bis Kollegah, von Smudo bis Samy Deluxe. An den Bildschirmecken immer wieder Nachrichten von Bushido, der angeblich auch gerne mitspielen würde. Auch der Diss ist eben ein Teil der Hiphop-Kultur.

Freunde aus dem Fernsehen

Die Zitat-Krönung gelingt Absolute-Beginner-Frontmann Eißfeldt bzw. Jan Delay: Sein Anruf leitet mit einer Parodie der Comedy-Nummer aus dem eigenen Song "Füchse" das Promi-Medley per Skype-Videokonferenz ein. Und schließt am Ende mit einer Performance von "Easy", dem Song von Cro, in dem wiederum eine gehörige Portion Hommage an Jan Delay steckt.

Als die Hip-Hopper aufgelegt haben, spielt Böhmermann den Deprimierten. Es hätten nur "Freunde" von Dendemann angerufen. Wer Hip-Hop macht, aber nur Hip-Hop hört, betreibt Inzest. "Was ist denn mit deinen Fernsehfreunden?", fragt Dendemann zurück. Oh, es klingelt just das Telefon. Eine wohlbekannte gepfiffene Melodie, "Die da!?!" von den Fantastischen Vier. Am anderen Ende der Leitung: Thomas. Nicht D, sondern Gottschalk.

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