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Italien:Literaturnobelpreisträger Dario Fo ist tot

Dario Fo

Dario Do war Zeit seines Lebens politisch engagiert: 2006 kandidierte er bei der Bürgermeisterwahl in Mailand.

(Foto: dpa)
  • Der italienische Literaturnobelpreisträger Dario Fo ist im Alter von 90 Jahren gestorben.
  • Fo gilt als einer der wichtigsten Vertreter der "piccoli teatri": Bei dieser Theaterform werden dem Publikum improvisierte Einpersonenstücke präsentiert.
  • Er thematisierte in seinen Werken die Mafia, die Waffenindustrie und Umweltsünden. Mehrmals führte ihn die Polizei von der Bühne ab.
  • 1997 erhielt Fo den Literaturnobelpreis, den er selbst zur Hälfte seiner Frau Franca Rame zusprach, mit der er viele Stücke schrieb.

Literaturnobelpreisträger Dario Fo ist tot. Der italienische Dramatiker und Regisseur sei im Alter von 90 Jahren gestorben, meldeten italienische Medien. Der Theaterschauspieler Mario Pirovano, ein langjähriger Freund des Italieners, bestätigte seinen Tod der Deutschen Presse-Agentur.

Fo, 1926 im norditalienischen Sangiano geboren, bekam das politische Engagement in die Wiege gelegt: Sein Vater, ein Bahnhofsvorsteher, Laienschauspieler und überzeugter Sozialist, unterstützte im Zweiten Weltkrieg den antifaschistischen Widerstand. Als Jugendlicher half Fo seinem Vater, Flüchtlinge und Deserteure in die Schweiz zu schmuggeln. Einer Rekrutierung durch die faschistische Armee von Salò konnte er sich zwar erst nicht entziehen, versteckte sich jedoch später bis zum Kriegsende. Danach setzte er sein Studium der Kunst und Architektur in Mailand fort, ohne es jemals abzuschließen. Denn Fo begeisterte sich mehr für die Theater- und Filmarbeit.

Er gilt als einer der wichtigsten Vertreter der "piccoli teatri": Bei dieser Theaterform werden dem Publikum improvisierte Einpersonenstücke präsentiert. Außerdem wird versteckt Theater gespielt, an alltäglichen Orten wie einem Supermarkt, einer Bushaltestelle oder in der Fußgängerzone.

Fo verkörperte lüsterne Päpste, skurrile Politiker und redegewaltige Trunkenbolde

Der Autor und Schauspieler war für seinen Sprachwitz bekannt. Im Theater verkörperte er lüsterne Päpste, skurrile Politiker und redegewaltige Trunkenbolde. Fo thematisierte in seinen Werken auch die Mafia, die Waffenindustrie und Umweltsünden. Er landete Dutzende Male wegen Beleidigung und Verhöhnung der Mächtigen vor Gericht, mehrmals wurde er von der Bühne abgeführt.

Die Verleihung des Literaturnobelpreises 1997 an Fo war für viele Beobachter eine Überraschung. Die SZ schrieb damals: Ausgezeichnet wurde ein "italienischer Politclown, ein nicht nur in seiner Heimat populärer, radikal engagierter Volksschauspieler". Viele Stücke hatte er mit seiner Frau Franca Rame geschrieben, weshalb Fo stets von "unserem Nobelpreis" sprach. Rame starb 2013, Fo sagte über die Liebe seines Lebens: "Franca und ich haben drei Mal mehr gelebt als alle anderen." Das Paar hinterläßt einen Sohn.

Italiens Premier Matteo Renzi würdigte Fo mit den Worten: "Mit Dario Fo verliert Italien eine der Hauptpersonen des kulturellen Lebens." Der italienische Kulturminister Dario Franceschini twitterte: "Der große Dario Fo hat uns verlassen. Ich habe immer noch das Vergnügen vor Augen, mit dem er die Ausstellungsstücke bei der Eröffnung des Museums Fo in Verona beschrieb." Auch der bekannte Fernsehmoderator Fabio Fazio drückte sein Bedauern aus: "Mit Dario Fo haben wir einen Teil von uns verloren. Und nie war es so schwer wie jetzt, heiter zu bleiben."

Bis zuletzt scherzte Fo der Zeitung La Repubblica zufolge: "Sollte mir etwas zustoßen, dann sagt, ich hätte alles getan, um zu leben." Laut dem Corriere della Sera starb Fo in einem Krankenhaus in Mailand, wo er wegen Lungenproblemen in Behandlung war.