Echo-Verleihung 2014:Blondinen drehen auf

So etwa die 17-jährige britische Sängerin Birdy - obwohl auch die ungleich spannendere Kollegin Lorde zur Verfügung gestanden hätte - in der Kategorie Künstlerin Rock/Pop International, ein paar unvermeidliche nationale Sänger und Bands wie Tim Bendzko (bester Künstler), The BossHoss (beste Band), Santiano (beste volkstümliche Band), Sportfreunde Stiller (beste Rock/Alternative-Band), Max Herre (bester HipHop-Künstler), Adel Tawil (erstaunlicherweise als bester Newcomer), Die Toten Hosen als erfolgreichster Live-Act, Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf für "Circus Halligalli" (als "Partner des Jahres"), Peter Maffay und seine Stiftung für soziales Engagement, DJ Koze (Kritikerpreis), Christina Stürmer (Radio-Echo) und Y-Titty für das "Beste Video" ("Halt Dein Maul").

Echo 2014 - Preisträger

Auch sie schon unvermeidlich: Die Moderatoren Joko Winterscheidt (li.) und Klaas Heufer-Umlauf freuen sich über die Auszeichnung in der Kategorie "Partner des Jahres".

(Foto: dpa)

International wurden Avicii für den Hit des Jahres ("Wake Me Up") und als beste elektronische Band ausgezeichnet, obwohl auch Daft Punk und Pharell Williams nominiert und definitiv besser waren. Ebenso ausgezeichnet wurden Depeche Mode (beste Band International), Eminem (HipHop International), Volbeat (Rock/Alternative National) und Lindsey Stirling (Crossover International). Die rothaarige Geigerin aus USA war eine der wenigen internationalen Stars, die den Weg nach Berlin gefunden hatten für diesen Preis.

Die Schönen und Helene

Um ihr Album zu promoten allerdings, nutzten ein paar internationale Vertreter der Musikszene die Gelegenheit dann doch, so auch Kylie Minogue, ebenfalls eine alte Bekannte des Echo. Und auch sie erinnerte an Helene Fischer an diesem Abend: Klein und zierlich, blond und hübsch, glamouröser Bühnenauftritt - Musik eher Nebensache. Ein bisschen fulminanter bekommt das immer noch Shakira hin, auch wenn ihr "berühmtester Hüftschwung der Welt" inzwischen auch ein wenig aus der Mode gekommen ist. Immerhin: Auf dem Roten Teppich strahlte sie am mädchenhaftesten von allen Stars, in raffinierter schwarz-hautfarbener bodenlanger Abendrobe. US-Soulsänger Gregory Porter machte seine Arbeit erwartungsgemäß gut, auch der Rostocker Rapper Marteria wusste mitsamt Gastsängerin Miss Platnum und Kinderchor zu überzeugen.

Für den nötigen Rummel im Vorfeld hatte die Nominierung der umstrittenen Band Frei.Wild gesorgt, die ihr Kommen daraufhin abgesagt hatte - ähnliche Diskussionen über mangelnde Political Correctness beim Echo gab es in den Jahren zuvor schon um Cat Stevens und Bushido. Gerade erst für den Eurovision Song Contest nominiert und jetzt schon zum Echo eingeladen wurden die Newcomerinnen der Band Elaiza - angenehm, aber auch nicht bahnbrechend.

So weit, so vorhersehbar das meiste. Auch Jan Delay, der ebenfalls sein neues Album promotete, konnte trotz einer Außerirdischen-Combo im Hintergrund mit seiner Ode an die Hamburger Reeperbahn nicht mehr wirklich überraschen. Und die Fantastischen Vier gaben zwar 25 ihrer Hits aus 25 Jahren in 250 Sekunden zum Besten, aber neu war das alles natürlich auch nicht.

Supergeiler Auftritt

Echo 2014 - Verleihung

Nur keine Aufregung: Friedrich Liechtenstein übergibt gewohnt cool einen Echo.

(Foto: dpa)

Es blieb also an einem einzelnen älteren Herren hängen, der Veranstaltung ein bisschen inhaltlichen Schwung zu verleihen, und sei es nur als Laudator: Der Berliner Künstler Friedrich Liechtenstein, jüngst durch ein Musikvideo für eine Supermarktkette zum Youtube-Star avanciert, übergab den Echo für das beste Video mit den Worten: "Super Artists, super Videos, super Auswahl - supergeil!" Ähnlich wie in seinem Video, schlurfte er dazu leicht swingend und superentspannt über die Bühne - und brachte zumindest ein wenig Anarcho-Flair und Ironie in die ansonsten superangepasst wirkende Szenerie.

Fast wie dessen Zwillinge wirkten am Ende der dreistündigen Veranstaltung die ebenso ergrauten und Anzug tragenden Mitglieder des Schweizer Duos Yello, Dieter Meier und Boris Blank, und auch sie zeigten im Gegensatz zu den meisten jüngeren Kollegen so etwas wie Kreativität und Frische, indem sie auf der Bühne mittels Handy ein Sample mixten - ihr berühmtes "Oh, yeah!" klang dabei fast nach Liechtenstein. Auch ihre Rede war ansatzweise erfrischend, indem sie sich dankbar dafür zeigten, "dass wir diesen Lebzeit-Award schon jetzt bekommen, wo wir noch jung sind", dieser Preis sei ein "Lebenselixier für die nächsten 35 Jahre".

Das bisschen Authentizität war ein Aufatmen wert, zwischen all den blondierten, ondulierten, zuckergussartigen oder wenig überraschenden künstlerischen Darbietungen. Vielleicht klappt's ja beim nächsten Mal auch wieder mit dem richtigen Veranstaltungsnamen. Ansonsten: Helene-Fischer-Festspiele wäre inzwischen sowieso die angebrachtere Bezeichnung für den Echo.

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