bedeckt München 17°

Dystopien:Mutmachen

Zwei Taschenbücher, die davon erzählen, wie sich zwei Mädchen als Heldinnen bewähren.

Von Hilde Elisabeth Menzel

Als dieser Roman der englischen Autorin Nicky Singer 2018 unter dem Titel "The suvival game" erschien, konnte man ihn noch als beunruhigende, aber weit entfernte Dystopie lesen. Inzwischen ist die Vision nicht mehr so abwegig, dass Afrika unbewohnbar wird, und es nur noch in Nordeuropa genug Wasser gibt, und so wünscht man der packend geschriebenen Geschichte viele Leser. Es geht um die 14jährige Mhairi Anne Bain. Sie ist auf dem Weg nach Hause, einer Insel in Schottland. Für sie gibt es ein davor, als ihre Eltern noch lebten. Sie hatten als Wissenschaftler mit ihrer Tochter in Afrika gearbeitet, um dort die Auswirkungen der Erderwärmung zu erforschen. Aber dann mussten sie fliehen, und die Eltern kamen ums Leben. Damit begann für Mhairi das danach, in dem es nur noch ums Überleben geht. Unterwegs schließt sich ihr ein kleiner, afrikanischer Junge an. Doch an der schottischen Grenze soll er als "Illegaler Einwanderer" abgeschoben werden. Es gelingt Mhairi mit ihm zu fliehen, und sie schaffen es auf die Insel, auf der ihre Großmutter lebt. Doch es zeigt sich, dass in dieser Welt kein Platz ist für Erbarmen, und die Geschichte endet mit einer Tragödie. Nicky Singer ist ein bedrückender, aber nie sentimentaler Roman gelungen. Es geht ihr darum, zu zeigen, wie es die Menschen verändern wird, wenn sie um die wenigen bewohnbaren Gebiete der Erde kämpfen müssen. (ab 13 Jahre)

Nicky Singer: Davor - Danach - Überleben ist nicht genug. Aus dem Englischen von Birgit Salzmann. Oetinger Taschenbuch 2020. 382 Seiten, 12 Euro.

Amys Lieblingsort ist die Bibliothek ihrer Schule. Sie hat ein absolutes Lieblingsbuch, das sie immer wieder ausleiht. Aber die Regel der Bibliothekarin lautet, dass jedes Buch fünf Tage im Regal stehen muss, bevor man es erneut mitnehmen darf. Als die fünf Tage rum sind, ist das Buch nicht da und die Bibliothekarin gesteht Amy, dass eine Mutter es für unmoralisch erklärt und der Schulausschuss das Buch daraufhin verbannt hat. Als immer mehr Bücher aus der Bibliothek verschwinden, kauft Amy die verbannten Bücher von ihrem Taschengeld und nimmt sie mit in die Schule und stellt sie in ihren Spint. Zusammen mit ihren Freunden gründet sie die "Geheime Schließfach-Bibliothek", kurz GSB, und sie schmieden einen Plan, wie sie die Bücher wieder in die Bibliothek bringen können. Was ihnen schließlich auch gelingt. Ein wichtiges Buch gegen Zensur und ein Mutmachbuch für alle, die von Amy lernen können, dass es sich lohnt zu kämpfen, wenn man an etwas glaubt. (ab 9 Jahre).

Alan Gratz: Amy und die geheime Bibliothek. Deutsch von Meritxell J. Piel. Dtv Reihe Hanser 2020. 384 Seiten, 9,95 Euro.

© SZ vom 15.01.2021
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema