Nachruf auf Dusty Hill:Ewiger Texaner

Nachruf auf Dusty Hill: Dusty Hill, hier 2015 beim Azkena Rock Festival in Spanien.

Dusty Hill, hier 2015 beim Azkena Rock Festival in Spanien.

(Foto: ANDER GILLENEA/AFP)

Dusty Hill war "der mit dem Bart", Rocker und vor allem Bassist von "ZZ Top". Nun ist er gestorben.

Von Karl Forster

Die Meldung ist von eher lapidarem Charakter: "Wir sind traurig über die heutige Nachricht, dass unser Kumpel Dusty zu Hause in Houston, Texas, im Schlaf gestorben ist. Wir werden für immer mit dem Blues Shuffle in C verbunden bleiben. You will be missed greatly, amigo!" Gezeichnet Billy Gibbons und Frank Beard. Dusty Hill war Bassist des weltberühmten Trios ZZ Top, er wurde 72 Jahre alt.

"Den Blues gibt's schon so lange wie die Welt", sagte einst Rufus Thomas aus Mississippi. Ob er, immerhin Mitglied der Blues Hall of Fame, dabei an ZZ Top dachte? Kann gut sein, denn als Thomas 2001 starb, waren die drei Kollegen aus Texas schon längst Legende und ihr Blues, angereichert mit den Ingredienzien aus Country, Rock 'n' Roll und Boogie, das akustische Markenzeichen amerikanischen Südstaatenlebens. Gitarrist Billy Gibbons, Schlagzeuger Frank Beard und Bassist Dusty Hill standen für die Faszination des ewig Gleichen, das doch immer klingt, als höre man es zum ersten Mal.

Joe Michael "Dusty" Hill, geboren am 19. Mai 1949 in Dallas, wurde durch die Familie zur Musik geführt. Die Mutter war Sängerin, der ältere Bruder ein sehr brauchbarer Gitarrist, in dessen Band American Blues Dusty dann den Bass schlug. Man machte sich bald einen Namen als Backup-Combo für lokale Berühmtheiten, in der Zeit stieß Frank Beard am Schlagzeug dazu. Man zog der Szene wegen nach Houston und trennte sich bald. Dusty Hill und Frank Beard fanden den Gitarristen Billy Gibbons. 1969 begann die Geschichte eines einzigartigen Erfolgs.

Am 10. Februar 1970 traten ZZ Top zum ersten Mal in dieser Besetzung auf, in Beaumont in Texas. Ein Jahr später kam ihr erstes Album auf den Markt, zwei Jahre später starteten sie mit "Tres Hombres" zu einer mehrjährigen US-Tour und festigten ihr Image als Südstaaten-Bluesrocker mit Büffeln, Stieren und Schlangen auf der Bühne. Anfang der Achtzigerjahre rechnete das Management von ZZ Top bereits in Millionen beim Ticket- und Schallplattenverkauf. Die Show im Londoner Wembley-Stadion war ausverkauft. Und als die Firma Gillette Billy Gibbons und Dusty Hill jeweils eine Million Dollar bot, wenn sie sich die Bärte abrasieren ließen, sagten die beiden gänzlich unbeeindruckt "No".

Die Band spielt Blues und Rock im ewigen Format, ist immer präsent

Dabei ließen ZZ Top nie einen Zweifel daran, dass sie das Klischee des etwas hinterwäldlerischen, zumindest aber streng konservativen Texaners zur Imagepflege nutzten. Man schmückte sich gerne mit spärlich bekleideten, schönen Frauen, lieh die Musik diverser Wrestling-Shows, sammelte alte, PS-strotzende Autos und nannte deswegen 1983 ein Album auch "Eliminator" - in Anlehnung an das legendäre Coupé aus dem Hause Ford, das sich Dusty Hill in die Garage stellte. Es wurde ihre bis dahin kommerziell erfolgreichste Scheibe mit zehn Mal Platin für zehn Millionen verkaufte Scheiben.

ZZ Top waren über die Jahrzehnte immer irgendwie präsent, auch wenn es durchaus Zweifel an ihrem musikalischen Gewicht gab. Sie waren "die mit dem Bart", auch wenn ausgerechnet der Mann, der Beard heißt, keinen trug. Sie spielten Blues und Rock im ewigen Format, was zum Beispiel auch bei "Foxy Lady" von Jimi Hendrix fast immer ähnlich bis gleich klang, und trotzdem war man nach einem ZZ-Top-Konzert nass geschwitzt vom Tanzen. 2004 erfolgte die Aufnahme in die Hall of Fame. Und als ZZ Top 2016 auf dem Münchner Tollwood-Festival aufgetreten waren, schrieb der Münchner Merkur etwas unentschlossen: "Die erste Stunde reichlich zäh, die 30 Schlussminuten dann großartig!"

ZZ Top sind zurzeit, so wie eigentlich immer, auf Tour. Bei den letzten Konzerten in South Carolina, als Dusty Hill sich, um ein Hüftleiden auszukurieren, nach Hause zurückzog, spielte der Band-Techniker Elwood Francis den Bass. Und Billy Gibbons zitierte nach dem Tod die Lebenslosung seines Freundes und Kollegen Dusty Hill: "Let the show gon on!" ZZ Top wird es weiter geben.

© SZ/clu
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