KulturbautenNeubau der Düsseldorfer Oper abgesagt

Lesezeit: 1 Min.

Bisher war die Deutsche Oper am Rhein nur übergangsweise weitergenutzt worden.
Bisher war die Deutsche Oper am Rhein nur übergangsweise weitergenutzt worden. Maja Hitij/dpa

Der prestigeträchtige Bau des Architekturbüros Snøhetta hätte die Innenstadt verändert. Jetzt wird er aus Spargründen komplett gestrichen. Stattdessen soll die „Deutsche Oper am Rhein“ saniert werden.

Von Alexander Menden

SZ bei Google bevorzugen

Im vergangenen November erst hatte die Stadt Düsseldorf ihr wohl ambitioniertestes stadtplanerisches Projekt vorgestellt. Mitten in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt, am Werhan, sollte das norwegische Architekturbüro Snøhetta ein nagelneues Opernhaus errichten, komplett mit Riesenlobby und Musikschule. Snøhettas Mitbegründer Kjetil Thorsen sprach gar von einer Chance zur „Stadtreparatur“. Doch nun hat Düsseldorfs CDU-Oberbürgermeister Stephan Keller den Ambitionen ein jähes Ende gesetzt: Wie die Stadt am Freitag mitteilte, wird der prestigeträchtige Neubau komplett gestrichen. Stattdessen soll der Bestandsbau der „Deutschen Oper am Rhein“ saniert werden.

Begründet wird dieser Schritt mit den zu erwartenden Baukosten. Es sei seine „Pflicht, die finanzielle Autonomie der Landeshauptstadt sicherzustellen“, so Keller in der offiziellen Verlautbarung der Stadt. Die neue Oper hatte einen Kostendeckel von einer Milliarde Euro. Einschließlich der Finanzierungskosten wurden zuletzt aber rund 1,8 Milliarden Euro vorhergesagt.

Architektur
:Großes für die Innenstadt

Das norwegische Büro Snøhetta hat den Architekturwettbewerb für den Neubau der Düsseldorfer Oper gewonnen. Ob es aber auch bauen darf, muss sich erst noch zeigen.

SZ PlusVon Alexander Menden

Diese Kosten wären, wie der katastrophale Verlauf der Sanierung der Kölner Bühnen ein Stück rheinaufwärts belegt, im Zweifel noch erheblich gestiegen. Die Landeshauptstadt müsse die Opernpläne gegen andere Projekte wie Schul- und Brückensanierungen abwägen, so die Begründung der Absage. Auch der Abriss des alten Kaufhof-Gebäudes, den die Stadt im Zusammenhang mit der Opernplanung erworben hatte, soll nicht erfolgen. Stattdessen ist nun von einer Umnutzung die Rede.

Damit endet eine viele Jahre währende, bereits als abgeschlossen geltende Düsseldorfer Debatte mit dem für alle Beteiligten denkbar enttäuschendsten Ergebnis. Nicht nur wird der hervorragende Entwurf der Norweger nicht realisiert, der sich ortsverträglich in das Grundstück zwischen Karstadt und Oststraße eingepasst hätte. Die Stadt steht zugleich, genau wie vor fünf Jahren, vor der Frage, wie der marode Bestandsbau an der Heinrich-Heine-Allee wieder nutzbar gemacht werden kann.

Im Jahre 1875 nach Plänen des Architekten Ernst Giese erbaut und 1943 bei Bombenangriffen stark beschädigt, wurde er nach dem Zweiten Weltkrieg, notdürftig repariert und schließlich von Paul Bonatz wiedererrichtet und erweitert. Bisher war das Gebäude nur übergangsweise weitergenutzt worden. Nun muss die Stadt bis 2030 geschätzte 25 Millionen Euro für die anstehende Sanierung aufbringen.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Debatte
:Zuhause, Arbeit – und wohin dann?

Um die fragmentierte Gesellschaft wieder zusammenzubringen, wird gerne nach sogenannten „Dritte Orte“ gerufen. Aber reicht es, etwa Museumsfoyers zu öffnen und mit Wlan auszustatten?

SZ PlusEssay von Peter Richter

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: