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Drogen-Reichungen an Soldaten:Schlaflos in Battle

Kriege verlangen von Soldaten ewige Wachheit, Intelligenz, Fitness und hohe Ausdauer. Drogen erfüllen ihnen den Wunsch nach diesen Idealen, von denen auch die Zivilgesellschaft beherrscht ist.

Olaf Arndt

Krieg und Drogen: Das passt zusammen wie Waffe und Patronen. Als Treibladung und Projektil zugleich schleudert sich der Körper ins Gefecht. Die Grenze zur medizinischen Versorgung der Soldaten verschwimmt, wenn man von Experimenten mit dem Blutverdickungsmittel NovoSeven liest, das Wunden blitzschnell schließen soll. Wo endet ein Heilmittel? Wo beginnt Doping? In Berichten aus dem Irak wimmelt es von hoch wirksamen Durchhaltepillen und ihrem Gegenteil, dem "kleinen Schuss" (Heroin) für die schnelle Landung.

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Manchmal müssen Soldaten vernichten, was sie dringend brauchen: Ein afghanischer Polizist überwacht 2004 in Kabul die Verbrennung von 8 Tonnen Opium, Heroin und Haschisch.

(Foto: Foto: AFP)

Aber ist die Tatsache, dass sich Soldaten auf Befehl mit Chemie vollpumpen, wirklich neu? Oder ist nur die Zusammensetzung der Supersoldaten-Drops neu? Haben Krieger nicht seit Anbeginn der Geschichte bekifft oder besoffen gefochten? Die Afghanen, die ihre Angst vor der Schlacht mit Opium betäubten, nannten das Gift "Honig der Krieger". Von den Türken im 16. Jahrhundert mit Kampfer zum "l'eau heroique", Heldenwasser, aufgekocht, machte die Mixtur mutig und wach. Bis zu 4,5 Kilo Rohmaterial pro Jahr gehörten im 13. Jahrhundert zum Sold, notierte der Maharadscha von Jaipur in seinen Erinnerungen.

Mitte September 2006 schrieb der britische Guardian: "Experimentelles Medikament an Soldaten verabreicht". Mancher Leser mag sich da an die Fünfziger erinnert haben. Drogen-Altmeister Timothy Leary forderte seinerzeit, das LSD direkt ins Trinkwasser einzuleiten und bekannte kurz vor seinem Tod, dass seine LSD-Trips Militärprojekte von der CIA mitfinanziert wurden.

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